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verblendet, erschreckt, bestochen seyn; die spätere Gesckichte ist esnicht. Ohne Neigung und Leidenschaft, ohne Furcht und Hoff-nung prüft sie die Zeugnisse, richtet die Thaten, und theilt »achVerdienst Rubin und Schande zu. Zwar manches entgeht ihrwegen Dürftigkeit oder Verlust der Zeugnisse; auch ist es möglich,wiewobl schwer, sie bisweilen zu täuschen: aber immer forscht siemit scharfem Auge, wägt mit ruhiger Hoheit, und spricht ein freiesund bleibendes Urtbeil. So lange Menschen seyn werden, wirdder Name eines Kritias, eines Cromwell mit Verwünschung undAbscheu, der Name eines Socrates, eines Sidney mit Liebe und^ Segen von ihren Lippen tönen, und in ihren Herzen seyn. — DerBlick auf diese unerbittliche Vergelten» — denn das Verlangendes Nachruhms, wie jenes der Unsterblichkeit lebt in der mensch-lichen Brust — hat schon manchmal des glücklichen BösewichtsTriumphe verbittert, hat ihn gegen seine Neigung zu guten,' we-nigstens äußerlich guten Handlungen gespornt, und den Muth desgekränkten Rechtes und der leidenden Unschuld aufgerichtet.
Methode der Weltgeschichte
Die schwere Aufgabe, welche hier zu löse» ist, besteht darin,die unermeßliche Weltgeschichte zu einem, durch innern Zu-sammenhang verbundenen Ganzen zu gestalten.
Dieser innere, natürliche Zusammenhang, vermöge dessen alleBegebenheiten aller Zeiten, Drte und Arten unter einander alsUrsache und Wirkung, Grund und Begründetes, Hauptgestalt undCharakteristik, endlich als wechselnde Bestimmung derselbe» Ein-heit, des Menschengeschlechtes und der Erde, verknüpft sind, istwirklich vorhanden, wie schon die Philosophie im Allgemeinenlehrt, die ausmerksame Betrachtung des Welllauts aber in unzäh-ligen Beispielen augenscheinlich, iu andern wenigstens analogischzeigt. Nur ist es eine sehr schwere Aufgabe, ihn auch in der Er-zählung, und zwar also darzustellen, daß ,.das Gedächtniß die„mannigfaltigen Begebenheiten obne zu große Mühe und unver-,,wirrt behalten, hie Einbildungskraft sie chronologisch in allen„ihren Verkettungen vor-, rück- und seitwärts anschauen, der„Verstand endlich sie universell betrachten, und ihnen allen den