Band 
Erster Band. Alte Welt.
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Charakter liegende — Verstellung den Senat geäfft, hiernächst b?»

Aufruhr der Pannonischen und Teutschen Legionen (der Letz'

teru durch Germanicus, seines Neffen, Treue) gedämpft hatte,

tilgte er den letzten Schein der Volksmacht durch die Verlegung

der Comitien in den Seuat, und umgab sich mit den Säst?*

cken des Masestätsgefetzes. Hinfort wurden nicht nur die '

kleinsten Handlungen, sondern auch Worte und Schrift — wen»

sie nicht unbedingt Sklavensinn athmeten — Gedanken sogar, die ^

man in den vertrautesten Ergießuugen belauschte, zu Verbreche» '

gestempelt; die Heiligkeit gerichtlicher Formen zum Dienst dck '

blutigsten, schaamlosesten Tyranney mißbraucht; alle Bande der l

Natur, der Liebe, des Vertrauens zerriffeu. Nur die Scheu vor e

dem edlen Ge rmanicus, welchen das Volk liebte, und das Heer »

vergötterte, hielt noch eine Zeit den vollen Ausbruch der Wuth »

zurück. Der Held starb vergiftet, und mit ihm sah das Volk vek* ^

zweifelnd seine letzte Hoffnung sinken. Tiber ins, welchem vo>» ^

Menschen nur die Gestalt geblieben schien, theilte seine Zeit u»* ^

ter Handlungen der ausgesuchtesten Grausamkeit und der unnatüt* ^

lichsten Wollust. Aelius Sejanus, Präfectus Prätorio, der »

würdige Günstling eines solchen Herrn, unterhielt und verschärft "

noch die Blntscenen in Rom, während Tiber auf Caprea in tht*

rische Schwelgerei versank. Aber Sejanus, selbst nach dein Throit »

lüstern, ward Verräther, und litt dafür den Tod mit seinem HaU§ ^

und seinen Freunden. Noch ein Jahrzehend wüthete und schwelgt ^

Tiberius fort, ohne Sättigung für seinen Blutdurst, ohne Auf* "

heiterung für die düstere Stimmung seiner Seele. Er starb ü» ^

78ten Jahr seines Alters (57) — man sagt gewaltsam — nach* ^

dem er 25 Jahre den Thron geschändet, und hinterließ den N»h>»

eines vollendeten Tyrannen. ?

b,

Casus (Caligula), Germanicus Sohn, wurde vo» ^den Prätorianern zum Imperator ausgerufen. Der Seu^ ^und das Volk — des Vaters gedenkend — erkannten ihn ^Freude. Aber, nach kurzer Täuschung durch verstellte Güte, ^ ^

blickten sie in ihm ein Ungeheuer ohne Gleichen, das alle, st^ ^widerstreitende Laster vereinte, und bei welchem bloß zweifelb^ ^war, ob Grausamkeit, oder Verworfenheit, oder Unsinn vorher