I
Z'>4
wußte, daß er Herr sey, und ließ eS fühlen. Die letzte Periodeseines LebenS ist von Härten, selbst von Ungerechtigkeiten nichtfrei, so daß nach seinem Tode der Senat, der von Trajans Gut*den Maßstab nahm, anstand, seinem Andenken die gewöhnliche"Ehren zu erweisen (158).
Hadrian hatte in der Person des adoptirten Titus Auto«ninus Pins sich den tugendhaftesten aller Menschen zum Nach'folger gegeben. Während seiner 25jährigen Verwaltung herrschteRuhe, Ueberfluß und — bis auf unbedeutende Grenzirrungen "Friede in der römischen Welt. Unterthanen und Magistrate schie'neu die stillen Tugenden ihres Fürsten nachzuahmen. Menschlich'keit, Gerechtigkeit, Ordnungsliebe, beglückten das Reich; gehässigLeidenschaften, unsittliche Triebe verbargen sich. Auch äußertVölker faßten Achtung und Zutrauen für einen Monarchen, webcher „lieber einem Bürger das Lebe» erhalten, als tausend Fei"'den eS nehmen" mochte, und schlichteten ihre Fehden nach sei'nein Ausspruch. Seit Numa, mit welchem man ihn billig ver-glich, hatte Rom keinen solchen Gewalthaber besessen.
Antoninus hatte gleich bei seiner Erhebung und auf Hadriai'sVerlangen den hoffnungsvollen Marcus Aurelius, und den L-Verus adoptirt. Der Beschluß des Senats bestimmte den Er-sten zum Nachfolger des Hingeschiedenen Kaisers (161); aber <rerklärte alsogleich den L. Verus zum Mitherrscher und Aug»'stus. Doch Verus überließ seinem Thronkollegen, dessen Ueber-legenheit er anerkannte, ohne Einspruch die Leitung der Geschäfte,und sich selbst der Thatlosigkeit und dem Genusse der Lust. D>rin dem Parthischen Krieg, der bald nach Antoninus Tod be-gonnen, ermunterte er sich zu einiger Anstrengung. Doch nicktso wohl Er, als sein Legat Avidius Cassius war Sieger derParther, und drang bis Ctesiphon. Schon im 8ten Jahr desReichs starb Verus.
Desto »»getheilter war der Eifer, die Thätigkeit und derRuhm des großen Marcus, der an Tugend, Rechtlichkeit undMilde Antoninus glich, an Kraft der Seele ihn übertraf, wenig-stens geprüfter war, und mit dem Glanz der Herrschergaben dieWürde der erhabensten Philosophie verband. Sein ganzes Lebe»war der schönste praktische Commentar der Grundsätze Zeno's,