86Z
"'ölig, in stillen Gedeihen und unbegrenzter Fortsttzinig, die schön-em Blüthen der Humanität, die herrlichsten Früchte der Erkennt-niß und Tugend unter den Völkern der Erde hervorgehen sollten.
In ein Paar hundert Jahren war die christliche Religion vonden Ufern des Ganges bis an's Atlantische Meer ausgebrei-tet; in den meisten Ländern völlig siegreich, in den andern we-nigstens aufkeimend, und täglich festere Wurzeln schlagend. EineUnernießlichkeit der Folgen — an Zahl und Umfang — floß dar-aus hervor. Die Entstehung des Cbristenihnms ist einer derHauptringe, woran die ganze Kette aller nachfolgenden Bestim-mungen der Menschen hängt.
Welches sind nun die Ursachen dieser wunderwnrdigen Umwäl-zung? — Wodurch erhielt das Christenthum den Sieg in Lst undWest, bei rohen, wie bei den verfeintesten Völkern, und wodurchseine unerschütterliche Begründung für alle Folgezeit? —
Ursachen seiner Ausbreitung.
l. Wer mag verkennen, daß die innere Dortrefflichkeitder Lehre, in Ansehung welcher mit den heidnischen Religio-nen gar keine Vergleichung statt findet, die erste und wichtigstedieser Ursachen sey ? —
Zwar einige ihrer Vorzüge, zumal die Hauptlehre von einemeinzigen und geistigen Gott, Urheber und moralischen Negiererder Welt, sind auch dem mosaischen Gesetz eigen. Aber viel rei-uer und bestimmter in solchen Ideen, viel erhabener und eindring-licher i„ moralischen Geboten und ihrer Sanktion ist das Evan-gelium. Die Aussicht auf Vergeltung jenseits des Grabes, vonwelcher Moses schwieg, ist hier in's hellste und tröstlichste Lichtgestellt; die Vernichtungsgedanken sind aufgehoben, die kühnsteHoffnung der Vernunft durch positive Autorität befestigt, und^en Ungerechtigkeiten des Schicksals ihre niederschlagende Kraft^'»onnnen. Zudem war Vieles in Moses Gesetz bloß temporärw>d lokal, Vieles nur Ceremonie, zum Theil Hiiiweffung auf den^listigen Messias. Dieses Gerüstwerk wurde weggenommen durch>!esus, der nur die ewigen und allgemeinen Wahrheiten ein-