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Aber waS da» schweizerisch« Volk von seiner Regierung billig ver-langte, und waS der Geist der Zeit gebieterisch forderte, war jakein Rechtsanspruch Frankreichs; und zwiefach schändlich erscheintdie Heuchelei, welche mit dem Vorwand wohlwollender Absichtendie Plan« des frechsten Egoismus deckt. Dasselbe Frankreich, wel-ches früher so heftig und mit so großem Recht wider die Einmi-schung der Fremden in seine Verfassung sich aufgelehnt hatte,stellte jetzt mit gesteigerter Frechheit dasselbe/ alles Völkerrechtverhöhnende, Prinzip auf.
In dem Kriege der Koalition wider Frankreich hatte dieSchweiz, aller Anforderungen der Mächte zum Beitritt ungeach-tet, fortwährend die Neutralität beobachtet, wiederholt erfahreneUnbilden verschmerzend. Freilich haßten die aristokratischen Re-gierungen, wie jene von Bern, Freiburg, Solothnrn u. a.,die Grundsätze der Revolution, doch hatte man nicht eine Be-leidigung sich erlaubt, und nicht einen Augenblick hatte das fried-fertige System gewankt. Dennoch begannen gleich nach dem Frie-den von Campo Formio die feindseligen Schritte Frankreichs.Schon die Bereinigung Veltlin's mit der cisalpinischen Re-publik war ein solcher. Bald darauf (1797, 15. Dec.) besetzteSt. Cyr, welcher den rechten Flügel der Armee von Teutschlandbefehligte, den Theil des Bisthums Basel, welcher unter diezugewandten Orte der Schweiz gehörte, Erguel, Viel undMünsterthal, die Pässe des Jura dadurch für Frankreichsichernd. Am Anfang des folgenden Jahres ward die mit derSchweiz verbundene Stadt Mühlhausen i,n Sundgau der Re-publik Frankreich, von deren Gebiet sie völlig umschlossen war,einverleibt (1793, Jan.). Schwer verantwortlich war die Besitz-nahme Genfs, indem sie gewaltthätig geschah (16. Apr.).
Um diese Zeit versuchte das Waadtland, das Joch BernSabzuschütteln, anfangs bloß die Wiederherstellung seiner altenFreiheiten und Rechte fordernd, bald aber sich zur eigenen, „ke-nianischen" Republik erklärend (1798, Jan.). Frankreich un-terstützte sofort dieses Beginnen. Eine Abtheilung des italischenHeeres rückte in's Waadtland ein; das Bernische Heer, unterdem Obersten Weiß, wich vor demselben zurück. Die Regierunghatte den Muth zum offenen Kampfe nicht.