Band 
Vierter Band. Neueste Geschichte.
Seite
360
JPEG-Download
 

Russisch-Türkischen Krieg sich kund thut, sodann aber, gegendie verstärkt auftretende, absolutistische Opposition, seinen glänzend«sten Triumph in den Julinstagen von Paris (1830) feiert.

K- Alexanders, eines rechtlichen und vielfach preiswürdi-gen Fürsten, innige, fast schwärmerische Anhänglichkeit an die Prin-zipien der Legitimität und der heiligen Allianz hatte den Auf-schwung der Freiheitsideen in Europa wirksam zurückgehalten, ohnejedoch den geheimen Brand, welcher in den, aller äußeren Ge-walt unzugänglichen Tiefen des Gemüths seinen Sitz hat, dadurchzu ersticken. Mehr als eine zeitliche Unterdrückung der vomZeitgeist geforderten Umformung des Staatslebens ist keiner ir-dischen Macht gegeben; und hätte Alexander länger gelebt, sobätte er wohl selbst zu einer Aenderung seines Systems sich be-quemen, oder den verhängnißreichen, offenen EntscheidungS-lanipf gegen die Forderungen der Neuzeit wagen muffen. Nachseineni Tod bestieg sein jüngerer Bruder, Nikolaus, denThron, gestützt auf die schon früher in geheim ausgestellte, jetztaber neu bekräftigte Entsagungsurkunde des ältern, Konstantin.Aber, das Näherecht des letzten zum Verwand eines die Wieder-herstellung der Nationalfreiheiten oder die Errichtung einer zeitge-mäßen Verfassung zum Ziel habenden Ausstandes nehmend, brach-ten die Häupter einer schon seit längerer Zeit im Geheimen fort-geschrittenen Verschwörung einen Theil der in Petersburg befind-lichen Truppen auf ihre Seite, proklHinirten die Herrschaft desKaisers „Konstantin" (26. Dez.), wurden aber durch Nikolausund seiner Freund« Entschlossenheit und Kraft schnell darniedergeschmettert, und büßten den vermessenen Versuch durch Tod oderVerbannung nach Sibirien.

Diese Ereignisse bewegten durch ganz Europa die Gemüther,auf verschiedene Weise, je nach dem Standpunkt der Einzelnen.Daß K. Alexanders Tod von mächtigem Einfluß auf den Gangder allgemeinen Verhältnisse seyn müsse, ward überall begriffen;obschon die politische Gesinnung und Richtung seines Nachfolgers— wie er selbst verkündete — von der des Vorgängers nicht ab-wich. Jedenfalls hing K. Nikolaus, wenn auch fest, doch nichtgleich schwärmerisch den Ideen an, deren Nealisirung Alexandersich zur Lebensaufgabe gemacht hatte; und dann hatte er theils