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Der nützlichen Hauss- und Veld-Schule erster Theil, in welchem ausführlich enthalten, wie man ein Land-Feld-Guth und Meyerey mit aller Zugehöre ... mit Nutzen anordnen solle : worbey dann auch zugleich eine zur Hausshaltung auf dem Lande nützliche Hauss-Artzney für Menschen und Viehe, samt allerhand raren und vorträglichen Hauss-Künsten, mit sonderbarem Fleiss colligirt ... / und nunmehr mit dem lang-verlangten zweyten Theil, samt darzu gehörigen Figuren und einem vollständigen Register an den Tag gegeben durch Georg Andream Böckler
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Chfl. XLVI. Von Leinen Tuchweben. 1269

Aus dieſem wenigen kan eine fleiſſige Hausmutter ſchon NachrichtUühge wie ſie ſich bey dem Leinen Tuch zu machen verhalten ſolle/ inſonder-

eit/ daß ſie die Faͤden/ ſo gelegt werden/ zum allerfleiſſigſten abzaͤhle/ und dem

zeber verbiete/ daß er ſelbige/ wann das Tuch gantz fertig/ und von dem

Webſtuhl genommen werden ſolle/ nicht abſchneide/ ſondern daran laſſenmuß; kan alſo die Meyerin ſolches zu Hauſe wieder abzaͤhlen.

Hat man nicht mehr ſo viel Faͤden/ als man anfaͤnglich aufgeſchrieben/ ſohat der Weber etliche Gaͤnge darvon genommen: wo nicht/ ſo hat er redlichgehandelt.

5. Man ſolle auch das Garn fleiſſig abwiegen/ hernach das Tuch/ ſogewebt worden/ ebenmaͤſſig wieder wigen/ und zuſehen/ wie viel an dem Ge-wicht mangelt. Man hat aber in der Erfahrung/ daß die ungetreue Weberdas Tuch anfeuchten und viel Schlich darinn practiciren/ damit das Tuchſchwerer wigt/ ſo 8 darvon genommen haben.

6. Bey dem Spuhlen und Aufwindung des Garns ſolle die Haus-mutter entweder ſolches ſelbſten daheim oder in des Webers Haus verrich-ten/ und darbey ſeyn/ und fleiſſige Achtung darauf geben/ daß des WebersMaͤuſe ſolche nicht heimlich verziehen/ oder er dieſelbige/ wie die Taſchenſpie-ler/ geſchwind unſichtbar machen koͤnne.

7. Nachdeme man nun aufgeſpuhlet hat/ ſolle man die Spuhlen ſamtdem Garn fleiſſig abwaͤgen/ und wann das Garn von den Spuhlen abzet-telt worden/ ſolche Spuhlen wieder abſonderlich wigen/ und das Garn da-von abrechnen. 9*

8. Es ſollen auch die Spuhlen fleiſſig abgezehlet/ hernach ſamt demGarn⸗Gewicht aufgeſchrieben werden. 1

. Wir verhoffen alſo/ daß unſere Meyerin mit dieſem kurtzen Unter-richt werde zufrieden ſeyn; den ungetreuen Webernaber wuͤnſchen wir denGewinn/ ſo alle Diebe bekommen! die Redlichen bezahlet die Meyerin nachVerdienſt/ und belohnet ſie GOtt!

Dem Hausvatter dieſes Meyerhofes haben wir auch zur Nachricht zuberichten hiemit nicht umgehenkoͤnnen/ daß wir noch unterſchiedliche Claſſenhaͤtten einbringen ſollen vornemlich vom Muͤhlwerck/ vom Vogelfangund Weydwerck/ ingleichen vom Schreiben und Rechnen ꝛc. Nach-deme aber/ wider Verhoffen/ die vorbeſchriebene Materiſich bereits ſehr üͤber-haͤufft/ und dieſer Tractat unbequem werdenduͤrffte; Als haben wir ſolchesWerck mit dieſer letzten Claß beſchlieſſen wollen/ verſpahren alſo das uͤbrige zuſeiner Zeit/ wann man etwan den zweyten Theil dieſes Werckleins heraus

geben wolte.Fxx yxxx iij Zum