I. Abschnitt.
Begriff und Arten der Güter.
1. Gut.
„Güter nennen wir alles dasjenige, was zur mittelbaren oder unmittel-baren Befriedigung eines wahren menschlichen Bedürfnisses anerkanntbrauchbar ist.“
„Der Begriff eines Gutes ist also wesentlich relativ.“ (Koscher.)
Die Beschränkung „wahr“ erscheint überflüssig, nachdem Güter ihreGütereigenschaft auch dann beibehalten, wenn sie auch zur Befriedigungunvernünftiger oder unsittlicher Bedürfnisse verwendet werden.
Um irgend eine Sache zum Gute zu machen, erscheint es nothwendig,dass sie ein Bedürfniss zu befriedigen im Stande sei.
Stein definirt den Begriff des Gutes, indem er sagt:
„Das Gut ist demnach, seiner formalen Definition nach, das bestimmtenatürliche Dasein, das durch Wille und That der Bestimmung der Persönlich-keit, welche in dem Bedürfnisse empfunden wird und dem bestimmten Gegen-stände gegenüber Zweck heisst, unterworfen ist und damit das persönlicheLeben seiner natürlichen Kraft zum Inhalt empfängt und dasselbe erfüllt.“
„So hat die Tabakpflanze wahrscheinlich seit Jahrtausenden existirt, einGut aber ist sie erst geworden, seitdem man ihre Brauchbarkeit zumSchnupfen, Rauchen etc. erkannt und bedürfen gelernt hat.“ (Roscher.)
Aehnlich wurden das Steinsalz oder die natürlichen Mineralwässer, dernatürlich vorkommende Ocker etc. erst dann zum Gute, nachdem man derenGebrauch zum Würzen der Speisen, ihre Verwendung als Medicinalwässer,seine färbende Kraft etc. erkennen und benutzen lernte. Die Hochofen-schlacke wurde bis vor wenigen Jahren als unbrauchbar auf Halden ge-schüttet und war insolange kein Gut, als man ihre durch Granulirung zuweckenden hydraulischen Eigenschaften nicht kannte, die heute benutzt werden,um Schlackenziegel und Schlackencement zu erzeugen.
In einem Granitbrache bei Enns a. d. Donau fand sich in den Klüftenein zähes Gestein, das von dem Steinbruchbesitzer in den Abraum geworfen