Band 
Band II.
Seite
23
JPEG-Download
 

III. Abschnitt. Begriff und Arten der Preise. I. Preis.

23

In diesem Interessenkampf ist das treibende Motiv der Eigennutz derTauschenden: „So will jeder Eigennutz möglichst viel von den Gütern desAnderen gewinnen, möglichst wenig von den Seinigen dabei verlieren.“ (Roscher.)

Bei diesem Interessenkampfe trägt der wirthschaftlich stärkere Theil denSieg davon, und der Preis wird um so höher oder niedriger, je grösser dieUeberlegenheit des Verkäufers oder des Käufers ist.

„In der Regel ist derjenige der Stärkere, bei welchem der Wunsch, seineeigene Waare zu behalten, am wenigsten durch das Bedürfniss der fremdenWaare überwogen wird. Wie in jedem Kampfe, so ist auch hier das Selbst-vertrauen, zuweilen sogar das grundlose, ein bedeutendes Moment zum Siege.Ein Preiscontrahent, welcher seine augenblickliche Tauschstellung für ent-schieden stärker ansieht als die seines Gegners, wird schwerlich von seiner

Forderung ablassen. Wie verschieden ist der Preis für dieselben

Grundstücke, den eine neue Eisenbahnunternehmung zahlen muss, und den siebei ihrer etwaigen Auflösung von den Adjacenten wieder bekommen würde.“(Roscher.)

Auf die Preisbestimmung wirken, im Gegensätze zu dem ungezügeltenInteressenkampfe zwischen Käufer und Verkäufer, Volkssitte und Rechts-anschauungen mildernd ein. Die Preise werden wesentlich erhöht durch dieIntensität der Nachfrage, besonders wenn die gewünschten Massen einerWaare bedeutend sind. Die Preise sinken, wenn das Angebot vielseitiger undintensiver ist, als die Nachfrage.

„In der Regel wird also das Preisverhältniss zweier Waaren bestimmtdurch ihr Verhältniss von Angebot und Nachfrage.“ (Roscher.)

Wenn also Angebot und Nachfrage preisbestimmend sind, dann sind auchdie Ursachen von Angebot und Nachfrage für die Preisstellung maassgebend.

„Bei seiner Nachfrage pflegt der Käufer hauptsächlich den Gebrauchs-werth der Güter zu berücksichtigen; je nachdem es in höherem oder niederemGrade einem Natur- oder Anstands- oder Luxusbedürfnisse dient.“ (Roscher.)

Der Verkäufer muss, wenn er nicht verlieren will, den Preis nach demKostenwerth des Productes stellen. Er wird aber den Gebrauchswerth, so-weit er ihm im Allgemeinen oder mit Beziehung auf die bestimmte Persondes Käufers bekannt ist, wohl im Auge behalten. Aus diesem Kostenwerthund dem Gehrauchswerth ergiebt sich bei rationeller Wirthschaft der Tausch-werth, und dieser ist also die Grundlage für die Preisbestimmung Seitens desVerkäufers.

8. Angebot und Nachfrage als preishlldendes Moment.

(Nach Prof. Dr. Fr. J. Neu mann.)

„Um zu erkennen, was wahr und falsch an der üblichen Annahme ist,dass Angebot und Nachfrage „den Preis“ bestimmen, dass die Preise, wieman sagt, sinken, wenn das Angebot „grösser“ ist als die Nachfrage, dagegen

3