34 III. Abschnitt. Begriff und Arten der Preise. II. Begriff und Wesen.
der Natur mehr oder minder unabhängig ist, nicht also von Lebensmitteln,die durch den landwirthschaftlichen Betrieb gewonnen werden. Den Preisendieser kann nur im Wege der Zufuhr und Abfuhr jenes Gleichgewicht werden,welches im Interesse der Consumenten wünschenswerth ist.
„Im Ganzen werden die Preise mit dem Steigen der volkswirthschaftlichen
Kultur immer regelmässiger. Die besseren Communicationsanstalten
machen es in jeder Beziehung leichter, dass Angebot und Nachfrage einander
begegnen. Endlich ist ein Haupterforderniss gut entwickelter Preise
die nationale Ehrlichkeit; und diese nimmt auf den höchsten Culturstufenohne Zweifel zu, nicht bloss wegen der grösseren sittlichen Bildung, sondern
vornehmlich aus rechtverstandenem Interesse. Dass übrigens die
grösstmögliche Constanz der Preise für die Volkswirtschaft im Ganzen daswohlthätigste Yerhältniss bildet, ist nicht zu bezweifeln. Wenn sich diePreise ändern, ohne Aenderung der Productionskosten, so kann der Einebloss gewinnen, was der Andere verloren hat. Solche unverdiente Gewinnsteund unverschuldete Yerluste haben aber unfehlbar die Tendenz, die tiefstenWurzeln der Wirthschaft zu untergraben.“ (Koscher.)
II. Begriff und Wesen des Preises
nach Prof. Dr. Lorenz von Stein.
Wenn wir den Ausführungen Stein’s hier einen besonderen Abschnitt widmen, sogeschieht dies aus dem Grunde, weil er im Gegensätze zu anderen Autoren den Begriffdes Preises auf jenen des Geldes stützt. Die Ausführungen Stein’s haben vorwiegenddie Bildung der Preise beweglicher Güter, wie sie im Welthandel, in der Weltwirthschaftin die Erscheinung treten, im Auge; sie schildern das Werden dieser Preise sowie denganzen Aufbau des Welthandels in so formvollendeter und geistreicher Weise, dass wirihnen hier Kaum geben wollen.
Einige unglückliche Stilisirungen in den grundlegenden Begriffserläuterungen wollenwir klären und glauben so das volle Verständniss der Stein’schen Ausführungen zu erleichtern.
1. Begriff des Preises.
„Wir müssen allerdings dem Folgenden die Bemerkungen voraufsenden, die wir nichtwieder zu begründen brauchen, dass, solange man, wie A. Smith und seine Nachfolger,es Dicht vermag, Werth und Preis zu unterscheiden, oder das Geld noch immer „eineallgemeine beliebte Waare“ nennt, von einer wissenschaftlich begründeten Auffassung desPreises keine Rede sein kann.
Gegenüber der Darstellung des Wesens der Güter und des Werthes ist nun derformale Begriff des Preises sowohl als sein Inhalt höchst einfach.
Der Preis ist das Werthmaass des einzelnen Gutes in Geld ausgedrückt.“
Nach Stein’s Auffassung würde sonach der Preis etwas vom Gelde Untrennbaressein, beziehentlich der Begriff des Preises voraussetzen, dass Geld im Gebrauche stehe.Es gäbe sonach keinen Preis überall dort, wo es kein Geld giebt.
Wir haben gesehen, dass es auch bei vorgeschrittener Wirthschaft genügt, wennder Preis durch irgend eine gangbare Waare gedeckt wird, haben auch einsehen müssen,