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Band II.
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III. Abschnitt. Begriff und Arten der Preise. II. Begriff und Wesen. 35

dass das durch höheren Willen als gangbarstes anerkannte Gut zum Gelde wird. Es er-scheint sonach die Beschränkung, wonach Preis das Werthmaass des einzelnen Gutes inGeld ist, nicht gerechtfertigt.

Nun sagt aber Stein weiter:

„Denke ich mir die Gesammtheit aller Güter, in ihre Einheiten aufgelöst, diesemGelde und seinen Einheiten gegenüber und die Summe der wirklich vorhandenen Geld-einheiten mit der Summe der wirklich vorhandenen Gütereinheiten dividirt, so entstehtder Preis, der, wenn jene Division auf der vollen Kenntniss der beiden Pactoren beruht,zum wahren Preis der Gütereinheit wird. Der Process, durch welchen diese Divisionvollzogen wird, nennen wir die Preisbildung. Da nun diese Bildung des Preises vonder wirklichen Vertheilung der beiden Pactoren, der Güter und des Geldes, abhängt, soentsteht durch diese Preisbildung der wirkliche Preis, der mithin von dem wahrenPreise stets verschieden sein muss.“

Dazu dürften nun einige erläuternde Bemerkungen nicht unerwünscht sein, undfassen wir vorerst nur den wahren Preis in’s Auge.

Vor Allem muss constatirt werden, dass der wahre Preis ein idealer Begriff istund niemals in einer Zahl seinen Ausdruck finden kann, dass aber, wie später klarwerden wird, der Preis der Güter sich um so mehr diesem wahren Preise nähert, je mehrsich das wirthschaftliche Leben entwickelt, je mehr die modernen technischen Ein-richtungen des Verkehrs das geschäftliche Leben durchdringen, je mehr Intelligenz imStande der zur Preisbildung Berufenen, im Stande der Kaufleute sich zusammenfindet.

Es sei nun gestattet, den Begriff des wahren Preises an einem allerdings durchbeschränkende Annahmen sehr zurecht gemachten Beispiele zu erläutern.

In irgend einem isolirten und engbegrenzten Gebiete werden 100 Stücke Wollen-zeug an einem bestimmten Tage zu Markte gebracht. (Man denke an irgend einen Jahr-markt, wie er ja in vielen Provinzorten noch besteht.) An diesem Tage muss der Bedarfan Wollenzeug Seitens der Consumenten gedeckt werden, weil eine andere Gelegenheitim laufenden Jahre sich nicht mehr findet. Das Wollenzeug aber kann wieder nur andiesem einen Tage und in diesem einen Jahre abgesetzt werden, weil im nächsten Jahreein anderes Zeug an die Reihe kommt (modern ist). Nun finden sich mehrere Käuferein, die Wollenzeug benöthigen und die alle zusammen für Wollenzeug 1000 Geld-einheiten ausgeben können. Die Käufer seien gezwungen, genau anzugeben, wie vielGeldeinheiten sie für Wollenzeug ausgeben wollen, die Verkäufer wiederum seien ver-halten, genau ihren Vorrath an Wollenzeug zu nennen. Beide Ziffern werden bekanntgemacht, und nun ergiebt die Division

1000 (Geldeinheiten)

100 (Stück Wollenzeug)

den wahren Preis für ein Stück Wollenzeug mit 10 Geldeinheiten.

Sicher wird dieser Preis zu Stande kommen; denn kein Käufer wird mehr bietenals 10 Geldeinheiten für ein Stück Wollenzeug, kein Verkäufer wird weniger nehmenals 10 Geldeinheiten für ein Stück Wollenzeug. Würde thatsächlich ein Käufer ausirgend welchem Grunde für ein Stück Wollenzeug 20 Geldeinheiten geben, so bliebeschliesslich, nachdem alle 1000 Geldeinheiten verausgabt sind, ein unverkauftes StückWollenzeug über, das keinen Käufer finden würde, weil alle Wollenzeugkäufer ihr Geldschon verausgabt haben. Die Sache ist so klar, dass sie füglich keine weitere Aus-führung mehr nöthig hat. Man wird nun mit Recht einwenden, dass nach obiger Aus-führung der Pall eintreten kann, dass das Baumwollenzeug einmal gar keinen Käuferfindet, weil kein Geld dafür da ist, es somit verschenkt werden muss. Das kann that-sächlich eintreffen. Allein man vergesse einerseits nicht, dass es sich hier um reinakademische Verhältnisse handelt und andererseits selbst bei rohester Wirthschaft der