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Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik / von H. Helmholtz
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Mittönen der Saiten.

der Fig. 17 am reinsten hervor, wenn man auf ihren Resonanz-boden eine angeschlagene Stimmgabel aufsetzt, welche den Tongiebt, der der entsprechenden Schwingungsform angehört. Willman nur eine bestimmte Anzahl von Knotenpunkten hersteilen,ohne zu verlangen, dass die einzelnen Punkte der Saite einfacheSchwingungen ausführen, so genügt es, einen der verlangten Kno-tenpunkte mit dem Finger leise zu berühren, und die Saite anzu-schlagen oder mit dem Bogen zu streichen. Durch die Berüh-rung der Saite mit dem Finger dämpft man alle diejenigeneinfachen Schwingungen derselben, welche keinen Knotenpunktan der berührten Stelle haben, und es bleiben nur diejenigenübrig, welche die Saite dort ruhen lassen.

Die Zahl der Knotenpunkte kann bei langen dünnen Saitenziemlich gross werden, bis endlich die Stücke der Saite zwischenje zwei Knotenpunkten zu kurz und steif werden, um noch tönenzu können. Sehr feine Saiten geben deshalb mehr hohe Töneals dickere. Auf der Violine, an den tieferen Claviersaiten bringtman wohl noch Töne mit zehn Abtheilungen der Saite hervor;an sehr feinen Drahtsaiten kann man aber selbst noch Töne mitIG oder 20 Abtheilungen der Saite ansprechen lassen.

Die bisher beschriebenen Schwingungsformen der Saiten sinddiejenigen, hei denen jeder Punkt der Saite sich in pendelartigerSchwingung hin- und herbewegt. Diese Bewegungen erregen imOhre deshalb immer nur die Empfindung eines einzigen Tones.Bei allen anderen Bewegungsformen der Saiten sind die Schwin-gungen nicht einfach pendelartig, sondern geschehen nach einemabweichenden verwickelteren Gesetz. Dies ist immer der Fall,wenn man die Saite in der gewöhnlichen Weise mit den Fingernzupft (Guitarre, Harfe, Cither) oder schlägt (Clavier) oder mit demViolinbogen streicht. Die dann entstehenden Bewegungen könnenangesehen werden, als wären sie zusammengesetzt aus vielen ein-fachen Schwingungen, welche einzeln den in Fig. 17 abgebildetenentsprechen. Die Mannigfaltigkeit solcher zusammengesetzterBewegungsformen ist unendlich gross, ja es kann die Saite wäh-rend ihrer Bewegung jede beliebige Form annehmen (vorausge-setzt, dass man sich immer auf sehr kleine Abweichungen vonder Gleichgewichtslage beschränkt), weil aus einer Anzahl solchereinfacher Wellen, wie sie in Fig. 17 a, b, c, d dargestellt sind, nachdem im zweiten Abschnitte Gesagten jede beliebige Wellenformzusammengesetzt werden kann. Eine gezupfte, geschlagene, ge-