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Geschichte der Magie / von Dr. Joseph Ennemoser
Entstehung
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Einleitung.

8 - 45 .

Ein sehr wichtiger Wendepunkt für die Gestaltung des Ma-gismus wird ganz vorzüglich das Christenthum. So ist die Zeitder Erscheinung Christi, wie schon in welthistorischer Hinsicht,der Mittelpunkt, wo sich die alte Zeit abschließt und die neuebeginnt; wo das Ende der nächtlichen Dämmerung des Myste-riums in die Tageshelle des Selbstbewußtseins und der Erleuch-tung aller Lebcnsrichtungcn nach jeder Beziehung überging. Wiedie biblische Geschichte des alten Testaments den Samen und dasVorbild aller künftigen Geschichte, aber nur in vorbereitendenIdeen noch in ihrer Verhüllung enthält: so entwickelt sich der-selbe aus der Knospe zur Blüthe erst im neuen Testamente desChristenthums als vollkommene Offenbarung aller Wahrheit. DasIudenthum in dem alten, wahren Sinne ist der echte Lebcns-baum der innern genetisch fortschreitenden Culturcntwickclung.Alle übrigen Heidcnvölkcr mit ihren verschiedenen Religions-systemcn sind abgerissene Zweige von dem großen Lebensbaume,die zwar vcgctircn, aber keines innern Wachsthums fähig sind.Das Iudenthum ist das reale Mysterium, das im Christcnthumezur Idealität der Heiligkeit und Gottesvcrcinigung aufging. Alleinwie aus der Blüthe die Frucht erst nach und nach ausreift: sogeht dieses Reifen auch in der neuen Geschichte langsamen Schrit-tes vorwärts; und wie die Religion und Sitte, Kunst undWissenschaft zwar in einer neuen, aber vielseitig verschlungenenRichtung in der neuen christlichen Zeit fortschreiten, indessen abernoch weit von ihrem Endpunkte der Vollkommenheit entferntsind: so steht es mit der Geschichte des Magnetismus; auch errichtet sich nach der Verstandesaufklärung des sich emporarbeiten-den vorzüglich germanischen Geistes in den rationalwisscnschaft-lichcn Bestrebungen und religiösen Krisen, so daß er jetzt nochden Stasen oder den Bewegungen derselben, nach Orten undIndividuen folgt. So haben z. B. die Visionen bei der allge-meinen Ausbreitung der christlichen Lehre überall den Charakterder mit derselben gegebenen Vorstellungen angenommen und dassubjcctive sittliche Gefühl hypostasirte sich nach den gangbarenBegriffen des Guten und Bösen, und dieses als Gott, Engel