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Die Geschichte der Baukunst.
Auch wir scheuen uns eine Bemerkung über diesen fabelhaften Baubeizufügen. Da bereits in den Zeiten des Varro keine Spur mehr davonvorhanden war, so bezweifeln wir mit Recht, dafs je ein ähnliches Denk-mal dieses Königes vorhanden war. Ein Grabmal, ist ein heiliger Bau. Werhätte also ein solches zerstören wollen, wer so leicht zerstören können? undwie hätte Varro vergessen, die Frevler und die Zeit anzugeben, wo einesolche unheilige Zerstörung verübt ward? — Aber auch aus Mährchen läfstsich manchmal etwas Geschichtliches schöpfen. Man sieht, dafs der Ruf vonden labyrinthischen Anlagen des Orients auch zu den Hetruskern kam, unddafs das Tonspiel der vom Winde bewegten Schellen am Umfange eines Rund-daches, welches man in den neuern Zeiten den Chinesen nachgeahmt hat,bereits den Griechen und andern alten Völkerschaften bekannt war.
§. 26. Mit dem mittlern Italien schliefst sich die geographische Ueber-sicht der Baudenkmäler, welche uns den Maafsstab geben, den Stand derKunst in diesem Zeiträume zu erkennen und zu würdigen.
Vergleichen wir die Erscheinungen mit denen, die uns die vorangehendeZeit anbot, so ist der Anblick überraschend. Wir hatten nur einiges Näherevom Festungsbau und der Anlage der Wohnhäuser kennen lernen. Von an-dern Arten Gebäuden, und selbst von der Einrichtung der Tempel erfuhrenwir noch wenig, ln gegenwärtigem Zeiträume entfaltet sich alles mannigfal-tiger, gröfser und mit einem sichtbaren und glücklichen Bestreben nach demEdeln und Schönen. Vorzüglich zeigt sich die Neigung zu dem Colossalen,und zwar nicht allein bei dem Tempelbau, sondern auch bei blofs nützlichenWerken, wie bei dem Hafenbau und den Wasserleitungen, wovon die zu Sa-mos so grofsartig ist, dafs die spätem römischen Werke dieser Art, und selbstder Emissär des fucinischen Sees fast nichts mehr Erstaunungswürdiges ansich tragen. Eben so zeigt sich das Kühne in dem Gebrauche einzelner Massen.Man denke sich Säulen von 60 Fufs Höhe, und Balkenstücke aus Einem Steinvon 30 bis 40 Fufs in der Länge. Um solche zu bewegen und zu richtenniufsten der Kühnheit die mechanischen Hülfsmittel entsprechen. Man sieht,dafs die Griechen, kaum mit den grofsen Bauwerken der Aegypter bekannt,auch Aehnliches hervorzubringen streben.
Wenn aber nicht in Abrede gestellt werden kann, dafs die Griechenin der Technik hauptsächlich als Schüler des Orients, und vorzüglich derAegypter zu betrachten sind, so bleibt es auffallend, dafs man bei den ver-schiedenen Bauarten der Griechen keine Spur wahrnimmt, dafs sie in den For-