50
Botanik.
Statistik meist lückenhaft und unsicher. Die Gesammtzahl der bereits bekann-ten Pflanzen mag sich etwa auf 80,000 Arten belaufen. Wenn man aber be-denkt, daß in Europa und mehr noch in den vier anderen Welttheilen noch großeLänderstrecken botanisch nur unvollständig untersucht, und von noch größerenStrecken außerhalb Europa's die Flora völlig unbekannt ist, so wird man fürdie ganze Erde wenigstens an 200,000 Pflanzenarten annehmen können. Nachden bereits gemachten Beobachtungen steht fest, daß die absolute Zahl der Pflan-zenarten von den Polen nach dem Aequator hin zunimmt, vorausgesetzt, daßman nur diejenigen Länderstriche der verschiedenen Zonen in Vergleichung zueinander stellt, welche nicht so sehr in der Fruchtbarkeit ihres Bodens abweichen.Hiernach würde also die heiße Zone die reichste an Arten sein. Ueber die Frage,ob auch die Jndividuenzahl sich gegen den Aequator hin vermehre, sind die An-sichten verschieden, sie wird von Schouw verneint, von Meyen bejaht. Ueberdas relative Zahlenverhältniß der Arten in den verschiedenen Gebirgsregionenfehlt es noch an einer hinreichenden Zahl von Untersuchungen; aus einigen aus-führlicheren Beobachtungen ergibt sich so viel, daß die Artenzahl der Phanerorga-men von den höheren Regionen gegen die tieferen zunimmt, was auch in sta-tistischer Beziehung auf einen Parallelismus zwischen den verschiedenen Höhenüber dem Meere und den entsprechenden Breitenzonen schließen läßt. Aus Be-rechnungen, so weit solche nach der jetzt bekannten Artenmenge möglich find, hatman versucht, die Verhältnißzahlen für verschiedene Abtheilungen des Pflanzen-reiches zu bestimmen. Hiernach stellt sich z.B. das Verhältniß der Farnartenzu der Gesammtzahl der Phanerogamen (von v. Humboldt und R. Brownberechnet) für die heiße Zone gleich 1:20, für die gemäßigten Zonen gleich1:70, und es ergibt sich also in den höheren geogr. Breiten eine starke Ver-minderung der Arten der Farne im Verhältnisse zu den Phanerogamen, die Ab-nahme der absoluten Artenzahl der Farne wird weiter nördlich noch bedeutender,aber bei der gleichfalls sehr verminderten Artenzahl der Phanerogamen erscheintdennoch ihre Verhältnißzahl wieder größer, welche sich nämlich für die nördlichenkalten Zonen mit Ausschluß der Polarzone, in welcher noch keine Farne gefun-den sind, gleich 1:24 annehmen läßt. Die Artenzahl der Monokotyledonenzu jener der Dikotyledonen verhält sich (nach v. Humboldt) in der heißenZone gleich 1:6, in den gemäßigten Zonen gleich 1:4, und in den kaltenZone gleich 1:3, woraus sich eine gesetzmäßige Zunahme der Monokotyledonenim Verhältnisse zu den Dikotyledonen, von dem Aequator aus gegen die Polehin ergibt. Statistische Resultate von einiger Sicherheit sind jedoch nur fürsolche Länder und Gegenden zu erwarten, deren Gesammtflora vollständiger be-kannt ist. Nehmen wir zum Beispiel Deutschland, so finden wir (nach Koch'Keü. 1) nach Abzug der nur in der Schweiz und in Jstrien wachsen-den Arten) als Gesammtzahl der Phanerogamen: 2909 Arten; darunter befin-den sich 613 Monokotyledonen und 2296 Dikotyledonen; die Verhältnißzahlder Monokotyledonen zur Gesammtzahl der Phanerogamen ist hiernach nahezu —1:4^, zur Zahl der Dikotyledonen aber ziemlich — 1:3^, also der oben fürdie gemäßigten Zonen angegebenen Verhältnißzahl fast entsprechend. Auf gleicheWeise lassen sich dann auch die Zahlen für die einzelnen Familien im Verhältnissezur Gesammtzahl der Phanerogamen, der Mono- oder Dikotyledonen, öder auchzur Artenzahl der übrigen Familien bestimmen; z. B. die Artenzahl der deutschenGräser ist 205, diese verhält sich zur Gesammtzahl der Phanerogamen -1:14/;,zu der der Monokotyledonen —1:3, und zu der der Dikotyledonen — l: 1lVs! dieArtenzahl der Ranuncula ceen ist 102, daher verhalten sich die Arten dieserFamilie zu allen Phanerogamen Deutschland's — 1:28^, zu den Dikotyledonen