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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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96
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Botanik.

Dagegen tritt oft auch mehr als ein Pollenschlauch in den Keimsack ein, wo aberdoch gewöhnlich nur einer zum Keime sich ausbildet; indessen gibt es doch auchPflanzen, bei welchen die Ausbildung mehrerer Keime im Samen Regel ist(l?rm§iu, kolombi-MM). Der Keimsack füllt sich allmälig vor oder währendder Entwickelung des Keimes mit Zellgewebe. Dieses wird entweder von demsich vergrößernden Keime wieder verdrängt oder, so weit dieses nicht geschieht,in eine mehr oder minder feste Masse von verschieden gebildeten, mit assimilirtenPflanzenstossen (Stärkmehl, Oel n. s. w.) angefüllten Zellen umgeändert. Dienämliche Umänderung geht auch in dem Zellgewebe des Eikernes vor sich, so weitdieses vorhanden bleibt, und diese umgeänderten Zellenmassen des Keimsackes undEikernes, welche den vom Keime übrig gelassenen Raum des Samenkernes erfüllen,bilden den Eiweißkörper oder das Sameneiweiß, welches von Schleiden,wenn es vom Keimsacke herrührt, noch als Endosperrn, eiiäosxerwiuiu, undwenn es vom Eikerne abstammt, als Perisperm, porispoimimu, unterschiedenwird. Wo der Eikern von dem Keimsacke, dieser aber nicht ganz von dem Keimeverdrängt wurde, besteht der Eiweißkörper nur aus Endosperm (z. B. bei Gräsern,Doldenpflanzen); wo bei theilweisem Zurückbleiben des Eikernes der Keim denKeimsack verdrängte, ist der ganze Eiweißkörper Perisperm (bei Sileneen, Portu-laceen), und wo von beiden genannten- Theilen des Eichens Ueberreste vorhandensind, wird derselbe aus Endosperm und Perisperm zugleich gebildet (bei Nym-phäaceen, Cabombeen). Wenn aber der Keimsack sammt dem Eikerne verdrängtworden, fehlt das Eiweiß und wird der Samenkern von dem Keime allein gebildet(bei Amygdaleen und Papilionaceen). Darauf beruht die Unterscheidung voneiweißhaltigen und eiwe iß losen Samen, soiuiua ulbumiuosg, und oxul-bumiiiosL. Aus dem ganzen Entwickelungsgänge des Keimes folgt, daß seineWurzelspitze immer an der Spitze des Eikernes hinter dem Eimunde liegen, alsoder Keim selbst ursprünglich eine dem Eichen entgegengesetzte, Lage haben muß.Außerdem sind aber seine Lage zum Eiweißkörper, seine Richtung gegen die Samen-achse, seine Gestalt, und die gegenseitigen Verhältnisse seiner Achse und Blatt-Organe, so wie die Beschaffenheit der letzteren außerordentlich mannigfaltig. Dochlassen sich zwei Hauptformen des Keimes unterscheiden, nämlich der mit einemeinzelnen Keimblatte, und der mit zwei oder mehreren in gleicher Höhe stehendenKeimblättern versehene, wonach die phanerogamischen Pflanzen in die zwei großen,schon (im Abschnitte der Systemkundc) genannten Abtheilungen der Mono - undDikotyledoneen zerfallen.

Bei den Phanerogamen bewirken also zweierlei Organe von entgegengesetztermorphologischer Bedeutung — Authere (Blatt-Organ) und Eichen oder zunächstEikern (Achse der Samenknospe) — die Erzeugung der jungen Pflanze, indem dasAchsen-Orgau noch während seines lebendigen Zusammenhanges mit der Mutter-pflanze den aus dem Blatt-Organe hervorgegangenen Pollenschlauch aufnimmt,dessen eingedrungenes Ende zum Keime wird, woraus dieser in einem Zustande derRuhe verharrt und meist erst eine gewisse Zeit nach der Trennung des ihn ein-schließenden Samens von der Mutterpflanze sich weiter zu entwickeln und, indemer sich aus seiner Umhüllung befreit, zur selbstständigen Pflanze auszubilden be-ginnt (Keimung des Samens). Bei den Kryptogamen wird dagegen der Keimnicht auf der Mutterpflanze erzeugt, sondern dieser bildet sich aus dem den Samenvertretenden Organe, der Spore, erst nach deren Trennung von der Pflanze her-vor und setzt dann ohne Unterbrechung seine Entwickelung zur selbstständigenPflanze fort. Hier treten jedoch nach den verschiedenen Ordnungen und Familieneine Menge von Modistcationen in den Fortpflanzungs-Orgauen auf, die nur zumTheil noch mit denen der phanerogamischen Pflanzen in morphologischer Beziehung