Pflanzen- Physiologie.
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Strömung noch deutlich vorhanden und sogar am Raschesten, der Kern bereits inAuflösung begriffen ist, und daß in anderen Fällen, wie eben bei Vallisueiia,der Kern selbst dem Strome folgt, ohne daß von ihm aus irgend eine Ein-wirkung auf letztem wahrzunehmen wäre. In diesen Sastbewegungen spricht sicheine so große Selbstständigkeit der einzelnen Zellen aus, daß z. B. eine unver-sehrt aus ihrem Verbände getrennte Zelle von einer Olmiu-Art oder ein abge-schnittenes Stückchen von einem Blatte der Vrcklisnerig. mehrere Tage und selbstWochen lang lebendig bleibt und fortwährend die Saftströmung zeigt, wenn nurimmer das Präparat gehörig feucht erhalten wird. Von diesen strömenden, mitder Ernährung und dem Wachsthume in Beziehung stehenden Bewegungen mußdie mehr zitternde sogenannte MolecUlarbewegung unterschieden werden, welcheüberhaupt kleine, in dem dünnern Zellensaste schwimmende körnige Stoffe zeigenkönnen und die sie mit allen sehr kleinen, in einem Tropfen dünner Flüssigkeitschwimmenden Körperchen, sowohl organischer als unorganischer Natur, gemeinhaben, deren Ursache zwar ebenfalls noch unbekannt ist, aber keinenfalls mit demLeben der Zelle im Zusammenhange steht. Dann ist hier noch an die bereits(in der Gestaltlehre) erwähnte Bewegung zu erinnern, welche die Spiral-Fädenip den Zellen der Antheridien vieler Kryptogamen zeigen und die hauptsächlichin einer Drehung um die Achse der Spirale besteht, wozu sich nach dem Aus-Ireten der Fäden aus ihren Zellen noch eine verschiedentlich modistcirte fortschrei-tende Bewegung gesellt. Auch über Ursache und Zweck dieser Bewegungen fehltnoch jeder Aufschluß.
Die Bewegung ganzer Zellen ist bis jetzt nur bei einer Anzahl- von ein-facheren, unter Wasser lebenden Algen beobachtet, und zwar an den Sporenzellen.Diese zeigen nach ihrem Austreten, zuweilen auch schon früher innerhalb derMutterzelle, eine deutliche Bewegung, welche lebhafter als die Molecular-Be-wegung ist und schon mehr der Bewegung mancher Infusorien gleicht. Bei denmeisten dieser beweglichen Sporen hat man sehr feine schwingende Wimpern er-kannt, vermittelst deren die fortschreitende Bewegung geschieht. Diese Wimpernsind bald länger und stehen an dem dünnern Ende der Spore zu zweien odermehreren, bei verschiedenen Loicksrvs,- und Olmstopliora-Arten, bald sind sie sehrkurz und überkleiden die ganze Spore, wie bei Vauolleriu. Bei ihrer Zartheitund raschen Schwingung entgehen sie dem Auge an der lebenden Spore und wer-den erst nach der Tödtung der letzteren, z. B. vermittelst wässeriger Opium- oderJodlösung, zumal nach dem Trocknen, sichtbar. Ueber die Entstehung und Na-tur dieser Wimpern sind die Meinungen verschieden. Daß aus dieser Bewegungder Sporenzellen manche Forscher auf eine thierische Natur derselben und aufeinen Wechsel des animalischen und pflanzlichen Lebens in dem nämlichen Indi-viduum schließen wollen, ist schon in dem geschichtlichen Ueberblicke dieses Lehr-zweiges erwähnt. Daß diese Bewegungen der Sporenzelle übrigens nicht mitder Ernährung und dem Wachsthume, sondern zunächst mit dem Fortpflanzungs-geschäfte der ganzen Pflanze zusammenhängen, liegt klar vor Augen.
Die Vermehrung der Zelle, d. h. die Bildung neuer Zellen geschieht immernur im Innern einer ältern oder sogenannten Mutterzelle und läßt sich, so weitwir sie bis jetzt kennen, auf zwei Typen zurückführen: auf die Vermehrung durchBrutzelten und auf die Vermehrung durch Theilung. Bei der ersten Ver-mehrungsart wiederholen sich nur die bereits bei der Entstehung der Zelle be-schriebenen Vorgänge; in der Mutterzelle erzeugen sich in der zähen Bildungs-flüssigkeit oder dem Protoplasma zuerst mehrere Zellenkerne, um welche sich dieneuen Zellen frei und jede für sich gesondert bilden, die nun, während sie sichweiter ausdehnen, die Mntterzelle ausfüllen, worauf diese entweder resorbirt wird