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Berns Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700-jährigen Gründungsfeier / Wolfg[ang] Friedrich von Mülinen
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> hatte das Selbstvertrauen verloren. Da schlug der MajorAbraham Friedrich Mutach vor, den Rath durch Ausgeschossenedes Volkes zu verstärken. Es geschah; am 2. Februar erschienen52 Abgeordnete, unter ihnen der Fürsprecher Bah von Bern undDoctor Albert Rengger von Brugg. Man beschloß, die Ver-fassung nach dem Grundsatz der Volksvertretung abzuändern,als ob dieß jetzt noch genüge den Feind zu bezwingen, und sowar auch die Zuversicht, die innere Stärke wieder gestiegen, daßder Rath schwor, mit Gut und Blut das Vaterland und seineUnabhängigkeit zu vertheidigen.

Schon brach der Aufstand auch im Aargau aus, wo Mengauddie Aarauer aufgestachelt hatte, bis der Oberst Ludwig vonBüren sie wieder zum Gehorsam zurückbrachte. Mengaud wurdenicht müde, in schandbaren Pamphleten die bernische Regierunganzugreifen und ihre Abdankung zu verlangen. Nur einen Feindhabe die französische Regierung in Helvetien, den Magistrat vonBern, den wahnsinnigen Tyrannen, den barbarischen Unter-drücker, den Verbrecher - solches war der Grundton seinerFrechheiten. Da brach man die Verhandlungen mit ihm ab.

Die Franzosen hatten ihre Vorbereitungen zum Kriege gegendie Schweiz, der für sie militärisch, finanziell und politisch noth-wendig war, vollendet. Es handelte sich nur mehr darum, daß diefranzösischen Generale, Brune in der Waadt und Schauenburg imbischöflich baslerischen Gebiet, ihre Truppen marschbereit machtenund sich unter einander über den Angriff verständigten. Bernerkannte nicht, daß Brune alles mögliche that, bis dieß geschehen sei,immer neue Vorschläge machte, hinhielt und Zeit gewann. So warenseine Unterhandlungen nichts als treulose Komödie. Der Generalvon Erlach stand in Murten. Er und seine Mannschaft waren vonkriegerischer Stimmung erfüllt, die Truppen brannten vor Ver-langen zu schlagen. Wenn schon zum Oberbefehlshaber ernanntund mit unumschränkter Vollmacht ausgerüstet, war er doch

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