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nicht frei, da die Friedenspartei mit dem treulosen Brune immerwieder unterhandelte und seine Operationen lahmte.
Als die Entscheidung nahte, war die Stellung der BernischenArmee folgende: Den linken Flügel bildeten die erste Division(General von Erlachs in Murten und die zweite (Rudolf vonGrafsenried), die das Seeland beseht hielt; den rechten Flügelbildeten die dritte (Ludwig von Büren) und vierte (Victor vonWattenwyl) im Ober- und Unteraargau. Ihre Stärke betrug26,000 Mann.
Von der feindlichen Armee waren die Corps von Brune inder Waadt und Schauenburg im Jura jedes ungefähr 20,000Mann stark.
Am 28. Februar richtete Brune ein Ultimatum an diebernische Regierung. Er verlangte ihre Abdankung und die Ent-lassung der Truppen. Das letztere war unmöglich. Das ersteregeschah. Am 1. März beschloß die Regierung, den Grundsatzder politischen Freiheit und Gleichheit anzunehmen und die Neu-wahlen anzuordnen. Sie dankte ab und amtete nur provisorischweiter. Während solche Unterhandlungen mit Brune gepflogenwurden, mußte der General von Erlach seine Operationen ein-stellen. Die Franzosen aber rückten vor. Vor Schauenburg capi-tulirte Solothurn, vor Brune Freiburg. Die Stellung des linkenbernischen Flügels war dadurch unhaltbar geworden. Auch inBern mußte man es für möglich halten, daß die Uebergabe derStadt gefordert werde und setzte eine Capitulationsevmmissionein, die für diesen Fall möglichst gute Bedingungen zu erlangensuchen sollte. Die Friedenspartei setzte es durch, daß auch dieZurückziehung der Truppen beschlossen wurde. Hatte doch Bruneversprochen, alsdann nicht weiter vorzurücken. Aber nun erklärteer, es sei noch keine provisorische Regierung da. Wie hätte erseine Beute jetzt fahren lassen mögen!
Die alte Regierung versammelte sich zum letzten Male amMorgen des 4. März. Als der Schultheiß Niklaus Friedrich