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Berns Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700-jährigen Gründungsfeier / Wolfg[ang] Friedrich von Mülinen
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Die Schweiz ward in Kantone getheilt, deren Zahl oft wech-selte. Ein vollziehendes Directorium von fünf Directoren undsechs Ministern, Senat und Großrath als gesetzgebende Körperund ein oberster Gerichtshof bildeten die drei Gewalten. Auchdie Gemeindeverhältnisse erlitten Aenderungen, indem neben diebestehenden ortsburgerlichen noch Gemeindebehörden traten. DasCorporationseigenthum beschloß man aufzuheben; es kam abervor, daß der Beschluß an einigen Orten zurückgenommenwerden mußte; so erhielt die Stadt Bern ihre Felder undWälder wieder.

Im ganzen Lande gab es zwei Parteien, die Unitarier, derenZiel die Einheitsrepublik war, und die Föderalisten, welche dieKantone als verbündete Staaten bestehen lassen wollten. DieserZwiespalt ging um so tiefer, als die Unitarier die Franzosen-sreunde waren.

In dieser unglückseligen Lage befand sich die Schweiz, alsLaharpe am Zustandekommen eines französisch-helvetischen Schutz-und Trutzbündnisses trieb. Die Schweiz legte sich die drückendeBestimmung auf, Hülfstruppen in der Stärke von 18,000 Mannzu stellen. Es hatte noch eine andere Folge: in dem wieder aus-brechenden Kriege Frankreichs und Oesterreichs wurde die Schweizzum Kriegsschauplatz. Als sich große Unzufriedenheit erhob, ver-legte die helvetische Regierung ihren Sitz von Aarau nach Bern,wo sie sich sicher glaubte, verschärfte aber nur noch mehr ihre ter-roristischen Maßregeln. Neue Verwirrung brachte der Versuchdie Zehnten und Grundzinse aufzuheben, was der RegierungFreunde machen sollte. Sie entzog sich aber damit ihr größtesEinkommen und mußte sie wieder herstellen/ Als erst noch durchdie traurige Kriegslage die Unordnung aufs höchste gestiegenwar «December 1799), glaubte Laharpe sich nur durch einenGewaltstreich halten zu können. Es geschah aber das Gegen-theil von dem, das er gewünscht. Er wurde aus dem Direc-torium gestoßen und mußte die Schweiz verlassen.