198
Wer weiß, wohin noch die Uneinigkeit, Parteiwesen, Mangelan Geld, ja die Anarchie die Schweiz geführt hätten, wäre nichtFrankreich, das der Urheber der Revolution gewesen, einge-schritten, oder vielmehr Frankreichs allgewaltiger Erster Consul,Napoleon Bonaparte.
Im Frieden von Lunäville erkannte er wohl die Unab-hängigkeit der Schweiz an, fügte aber in einem geheimen Artikeldie Erklärung bei, er werde verhindern, daß die Schweizer sicheine Verfassung geben, die eine Quelle von Unruhen für ihreNachbarn werden könnte. So lehnte er auch den unitarischenVerfassungsentwurf der Helvetiker Glayre, Rengger und Stapferab. Unter anderm erkannte derselbe den Aargau und die Waadtals neue Kantone an. In der Schweiz waren auch viele mitihm unzufrieden, ja in der Waadt kamen 26,000 Unterschriftenzusammen, die baten, die Waadt möge bei Bern bleiben.
Bonaparte machte nun einen Gegenvorschlag (Vertragsent-wurf von Malmaison), der viel föderalistischer lautete. Auch ertheilte Bern; unaufhörlich und mit Recht hätten sich schon diealten Kantone gegen dessen Uebergewicht beschwert. Es folgtenoch mancher Verfassungsvorschlag, es folgten Revolutionen unterden leitenden Kreisen, bis die sogenannte zweite helvetische Ver-fassung, gemäßigt unitarisch, dem Volke vorgelegt, von ihm ver-worfen, aber angenommen erklärt wurde. Gleich darauf zogNapoleon die französischen Truppen aus der Schweiz zurück.Damit verloren die helvetischen Behörden ihre Stütze. Um sogrößere Hoffnung nährten ihre Gegner. Die Urkantone führtenzum Zweck, die alte Verfassung herzustellen, wieder die Lands-gemeinden ein. Auch in Zürich waren Anhänger des Alten andie Spitze der Stadt getreten. Ueberall gährte es. So erhieltendie helvetischen Truppen Befehl zu marschieren. Aber sie ver-mochten weder die Unterwaldner zu bezwingen, noch hatte dieBeschießung Zürichs durch den General Andermatt den geringstenErfolg.