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Auch in Bern waren die Altgesinnten rührig, namentlichim Oberland. Die Aargauer erhoben sich; Ludwig von Mayvon Schöftland zog gegen Aarau; Rudolf Ludwig von Erlachrückte gegen Bern. Seine Leute waren nur mit Stecken bewaff-net, daher man den Krieg den Stecklikrieg nannte. Auf die Nach-richt vom Anmarsch Andermatts zog Erlach gegen Bätterkindenzurück; seine Vorhut hatte vor dem untern Thor die Stadt an-gegriffen. Hier fiel der Lieutenant Sigmund Rudolf von Werdt.Es galt schnell zu handeln. Der tapfere Emauuel von Wattenwyl,der vor vier Jahren für Bern mit Schauenburg capitulirt, rittals Parlamentär in die Stadt. Die helvetische Regierung, bange,mitten in den insurgirten Gegenden, ohne Kunde von Andermatt,capitulirte am 18. September 1802 und zog nach dem Waadt-land ab.
Tags darauf, als viele altbernische Truppen in die Stadtgerückt waren, versammelten sich unter dem Vorsitz des Altschult-heißen Albrecht von Mülinen die Mitglieder der alten Regierungund setzten zum Zweck der Neubildung des Staates eine Standes-commission ein, die der Altvenner Emauuel Friedrich Fischer,des spätern Schultheißen Großvater, präsidirte.
Während die „helvetische" Regierung in der von Henri Monod,einem Freunde Laharpes, regierten Waadt, im Canton „Leman",Zuflucht fand, versammelte sich eine altgesinnte „eidgenössische"Tagsatzung in Schwyz. An die Spitze ihrer kleinen Kriegsmachttrat der General Freiherr Niklaus Bachmann an der Letze. Auchin der Waadt entstanden der Helvetik Gegner. Der Oberst LouisPillichvdy bemächtigte sich mit „eidgenössischen" Waadtländerndes Städtchens Orbe. Bachmann besiegte am 3. October diehelvetischen Truppen zwischen Murten und Wiflisburg; schongedachte er Lausanne zu erreichen, schon wollte die helvetischeRegierung von da nach Savoyen entfliehen, da erschien der fran-zösische General Rapp, um im Namen Napoleons Einstellung
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