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Die Regierung fühlte sich tief verletzt. Der Schultheiß EmanuelFriedrich von Fischer sah keinen andern Weg für sie, wenn maneinen Bürgerkrieg vermeiden wollte, als die Abdankung. Am13. Januar 1831 beschloß der Große Rath mit 200 gegen19 Stimmen die Niederlegung der Gewalt. Eine edle, würdigeProclamation, die der Schultheiß verfaßt, machte den Beschlußbekannt.
Sofort wurde der Verfassungsrath gewählt, die neue Ver-fassung mit den erwähnten Grundsätzen am 31. Juli ange-nommen. Daraus erfolgten die Wahlen in den Großen Rath.Schultheiß, d. h. Präsident der Regierung, wurde Karl Friedrichvon Tscharner, ein Anhänger der Schnell.
Die Ruhe war nicht so bald wieder hergestellt. Fehlten aufder einen Seite Freunde der alten Regierung durch ein Werbe-komplott, so zog sich auf der andern Seite die neue RegierungHaß zu durch den unwürdigen Prozeß der „Erlacherhofver-schwörung."
Die neuen Anschauungen von Freiheit und Gleichheit galtes nun der Jugend einzuprägen. Zu diesem Zwecke wurde 1834die Akademie in eine Hochschule umgewandelt. Den wissenschaft-lichen Bestrebungen ist damit ein Centrum geschaffen, das sichim Volke immer mehr einwurzelt und der Vorsorge der Regierungden Dank der Landeskinder, der Gebildeten, in hohem MaßeMaße einträgt.
Die zahlreichen politischen Flüchtlinge, namentlich aus Deutsch-land und Polen, verursachten manche Schwierigkeit; besonderswar dies der Fall, als Louis Napoleon Bonaparte 1838 in dieSchweiz gelangte und sich als französischer Thronbewerber auf-spielte. Frankreich begehrte seine Ausweisung; man verweigertesie. Ein Krieg drohte, da verließ Louis Napoleon freiwillig dasLand. In Bern führte diese Angelegenheit den Sturz der Schnellherbei. Schon hatte sich eine „nationale" Partei unter KarlNeuhaus von Viel gegen die 31er Radicalen gebildet. Die Schnell