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Berns Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700-jährigen Gründungsfeier / Wolfg[ang] Friedrich von Mülinen
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fürchteten den Krieg und wollten Frankreich nachgeben, derbernische Große Rath aber wies das Ausweisungsbegehren ab;da legten sie ihre Stellen nieder.

Aber auch gegen die Regierung der Neuhaus und Karl vonTavel bildete sich eine gegnerische Partei aus des Professors SnellSchülern, die Jungradikalen, geführt von den Fürsprechern UlrichOchsenbein und Jakob Stämpfli. Ihr Verlangen nach einemVerfassungsrath drang durch und die Wahlen sielen in ihrem Sinneaus. Die neue Verfassung von 1846 war noch demokratischer.Das Stimmrecht und das Recht der Wählbarkeit waren erweitert.Auch wurden damals die Departemente der Executivbehörde inDireetionen umgewandelt. Die Verfassung ward bei Enthaltungvon 6/4 aller Stimmberechtigten angenommen. Kurz darauf,1848, erfolgte die Annahme der neuen Bundesverfassung, welchedie Schweiz aus einem Staatenbund zu einem Bundesstaat um-gestaltete. Bern wurde Bundeshauptstadt.

Im Kanton Bern vermehrte sich wieder die Unzufriedenheitnamentlich in Folge der ruinösen Finanzverwaltung, der Ein-führung einer directen Steuer, und der Verletzung des religiösenGefühls des Völks durch die Berufung des freisinnigen Theo-logen Eduard Zeller aus Tübingen. Am 25. März 1850 mustertensich die Parteien zu Münsingen die konservativen auf derLeuenmatte, die Radicalen auf der Bärenmatte die Ersternwaren in der Mehrzahl. Die folgenden Großrathswahlen warenden Conservativen günstig. Ihre Häupter, Eduard Blösch vonViel und Ludwig Fischer von Reichenbach, gelangten in denRegierungsrath. Ihre Regierung dauerte vier Jahre. Es wardie Zeit der leidenschaftlichsten Parteikämpfe. Zwar verlor JakobStämpfli den traurigen Schatzgelderprozeß. Aber die beständigenAngriffe auf die Regierung blieben nicht ohne Wirkung. DieWahlen von 1854 erwiesen eine nahezu gleiche Stärke der Parteienund so kam es 1854 zur Fusion, indem nun Blösch sowohl als

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