Zustand der besonder» Kantonc. 165
»leinen Betrachtungen fassen wir die einzelnen Kantone in'SAuge.
Zürich.
In diesem Kanton haben im 17. Jahrhundert große Ver-änderungen stattgefunden. Im 16. Jahrhundert suchte Zwingliseiner Lehre bei dem ganzen Volke Eingang zu verschaffen. Eslag ihm also sehr am Herzen, dessen Liebe zu gewinnen; zudemlvar er, der lange in Glarus und Einsiedcln sich ausgehaltenhatte, immer der Demokratie günstig. Dieses, vereint mit denschwierigen Zuständen nach der Schlacht von Marignano, mag' die Veranlassung gewesen sein, daß die Regierung fortfuhr, beiwichtigen Ereignissen das sämmtliche Volk um seine Meinungzu befragen. Aber im 17. Jahrhundert, da man die Unzu-friedenheit des Volkes mit Gewalt der Waffen unterdrückt hatte,betrachtete dre Stadt das Landvolk als Unterthanen, denen esgezieme, zu gehorchen, und die Obrigkeit dachte nicht daran,oder es gelang ihr nicht, in den Bewohnern der Landschaft eineStütze zu bereiten gegen den Übermuth der Zünfte, den sie oft er-fahren mußte und der am meisten beitrug zur Unzufriedenheitdes Volkes, das sich hauptsächlich dadurch beleidigt fand, wennHandwerker als Beamtete des Staates gegenüber dem Volkeinen hohen Ton annahmen, und seine Souveränität fühlenmachte. Dieses war freilich der Geist des Zeitalters; er trugaber bei, die Gährung des 18. Jahrhunderts vorzubereiten.
Die höchste Gewalt war bei den Zünften oder ihrem Re-präsentanten, dem Rathe der Zweihundert; der kleine Rath wardie vorberathende und administrative Behörde, aus welcher dergeheime Rath gewählt wurde, welcher die wichtigen, so wie auchdiejenigen Geschäfte berieth, welche geheim bleiben sollten.
Es war kein eigentliches Patriziat in Zürich; aber einige Fa-milien hatten beinahe immer Mitglieder, welche die angesehenenStellen bekleideten.