Band 
Erster Band.
Seite
190
JPEG-Download
 

Buch I. Kafit el. >.

1!(0

ganze Provinz sich von Frankreich abtreten machen und danndas Fürstcnthum Neuenburg an Bern verkaufen. Die Meinungenhierüber waren zwar getheilt; die Einen glaubten, diese Ver-größerung von Bern würde aufs Neue in der Eidgenossenschaftallgemein, besonders aber bei den katholischen Ständen, Neid er-wecken; eine andere Partei aber, zu welcher vorzüglich Willa-ding, Steiger und von Erlach gehörten, waren der Meinung,es könnten die Fürsten von Neuenburg noch Ansprachen machenauf einige Gegenden des Berner Gebietes, welche an das Neuen-burgische grenzen, die ungeachtet der lange verflossenen Zeit dochnicht vergessen seien und irgend einmal zu Streit und KriegAnlaß geben könnten. Man glaubte doch, daß diese Erwerbung,wenn sie auf rechtliche Weise erhalten würde, dem Kanton Bernsehr wohl anstehen würde. £S )

Die Berner wußten, daß die Frau von Nemours sich ihrerAuflösung nähere, und bedachten die bedenkliche Lage, in die sienun bald kommen würden. Sie wußten zwar wohl, wie sehr Frank-reich erschöpft war und daß der Sieg seine Armeen verlassenhatte; daß Frankreich nicht leicht mit Bern allein und noch wenigermit der ganzen Schweiz Feindseligkeiten beginnen würde, weiles hätte besorgen müssen, die Schweizer hätten bei den Alliirtenbald Hülfe gefunden, weil ihnen die wehrlosesten ProvinzenFrankreichs offen gestanden hätten. Dagegen aber konnten siesich auch nicht verhehlen, daß Ludwig, ungeachtet seines hohenAlters, die Festigkeit seines Willens und seine Thatkraft nochbeibehalten habe, und sie mußten besorgen, daß, wenn sie Preußengegen ihn begünstigten, er nur auf eine gelegenere Zeit seineRache verspüren könnte. Allein da die Gefahren, welche für dieBerner und die ganze Schweiz daraus erwachsen müßten, wenn

") Brief von le Chambrier von Travanct voin 21. Hornung 1760 an denSchultheiß Hieronimus von Erlach. Bd IV. 42.