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Schreiben von Brrn an den König. 219
dem Herrn von Pnisseur, uns zu besprechen. Obwohl wir nunzuversichtlich erwarteten, der Herr Ambassador würde auf un-sere gründliche Darstellung der Lage der Dinge uns eine Ant-wort ertheilen, die uns über die gute Nachbarschaft, den Friedenund die Ruhe beruhigen und befriedigen würde, so fiel dochwider alle Erwartung die Antwort so aus, daß die Sorgenunserer Verbündeten und Verburgerten zu Neuenburg und inFolge dessen auch die unserigen sich eher vermehrten als ge-stillt und beruhigt wurden. Es soll aber dieser Unwille einzig undallein daraus entstanden sein, daß das Urtheil des ncuenburgischensouveränen Tribunals in dem Successionsstreit nicht nach denWünschen einiger hohen Personen, die solche prätendirten, aus-gefallen ist.
„Dieses ist nun die Ursache, warum Ew. königlichen Majestätin geziemender tiefster Ehrfurcht mit diesem zu begrüßen wir dieFreiheit nehmen, und Deroselben mit bundsgenössischer höchsterEhrerbietung vorzustellen, daß das neuenburgische ein unab-hängiges, freies Tribunal ist, dessen Unabhängigkeit und Frei-heit von Altem hergebracht, auch von Euerer königlichen Majestätselbst und von fast allen Potentaten Europas anerkannt wordenist. Diese Freiheit, ihr theuerstes Kleinod, würde aber gänz-lich aufgehoben und zernichtet, wenn man voraussetzen wollte,daß, wenn dieses Tribunal nicht nach dem Belieben der einenoder der andern hohen Partei urtheilen würde, die Einwohnersich dessen sollten entgelten müssen. Insbesondere aber geruhenEw. königliche Majestät sich zu erinnern, daß Anno 1698Ew. königliche Majestät durch Dero Ambassadoren, Herrn Amelot,unserm damals in Neuenburg sich befindenden Herrn Ehren-deputirten haben schriftlich vorstellen lassen, daß die MeinungEw. königlichen Majestät dahin gehe, daß, so wie Hochdieselbedem ncuenburgischen Tribunal den freien Gang zu lassen be-absichtige, unser Stand ebenfalls sich in diese Iudikatursache