Verhältnisse der Mächte zu der Schweiz. 13!)
indirekten Hülfe von Bern zum Besitze der Freigrafschast Bur-gund und des Elsaßes gelangen könnte. Als aber der KaiserJoseph I- den 17. April starb, benutzten die evangelischen Kan-tone die Zwischenregierung, um das Toggenburger Geschäft leb-hafter zu betreiben, und als der Erzherzog Karl die Kaiserkroneunter dem Namen Karl VI. den 22. Christmonat 1711 erhielt,so beeilten sich seine Verbündeten, den Frieden mit Frankreichzu unterhandeln, weil sie nicht zugeben wollten, daß die deutscheKaiserkrone und die königlich spanische noch einmal auf einemHaupte vereinigt seien. Unter solchen Umständen durfte er, wederso lang er noch mit den reformirten Mächten verbündet war,noch später, als er allein, entblößt an Geld und Mannschaft,gegen Frankreich Krieg führte, es wagen, durch Gewährung thät-licher Hülfe für die katholischen Kantone sich mit den Groß-mächten Europa's in Krieg zu verwickeln. Indessen waren schonfrüher im österreichischen Kabinet zwei Parteien. Der Graf vonSaplern, Kanzler des Reichs, war für den Abt. Er wird alssehr tüchtig in den Reichsgeschäften geschildert. Der Kaiser schenkteihm sein Zutrauen, weil er ihm den Rath gab, die pragmatischeSanktion zu errichten. Auf Seite der evangelischen Ständewaren die zwei Freunde des Herrn von St. Saphorin, derGraf Stahremberg, der schon alt, aber noch sehr kräftig war,ein gerechter, wahrhafter und unbestechlicher Mann, dabei kargin seinen Ausgaben, und durch diese Sparsamkeit erwarb er sichgroße Reichthümer. Neben ihm war es der Graf Sinzendorf,der am stärksten die evangelischen Kantone beschützte. Er warHofkanzler und hatte in den Staatögeschäften das größte Ge-„ wicht, weil er als ein Mann bekannt war, welcher die fremden
36 ) Dieses und die folgenden Urtheile über österreichische Staatsmänner ent-heben wir aus Storia arcana di Marco foscarini in Archivio sto-rico Italiano. T. V. S. 133. 137. 133.