Metamorphosen stickstoffhaltiger Körper. 365
Das Verhalten der einfachsten aller stickstoffhaltigen Säu-ren, des Cyansänrehydrats, ist vielleicht am besten im Stande,eine bestimmte Vorstellung über diese Theilungsweise zugeben.
Diese Säure enthält Kohlenstoff, Stickstoff und Sauer-stoff genau in den Verhältnissen, daß mit dem Hinzutreteneiner gewissen Menge Wasser die Elemente dieses Wassersgerade hinreichen, sein Sauerstoff einerseits, um mit ihremKohlenstoff und Sauerstoff Kohlensäure, und sein Wasserstoffandererseits, um mit ihrem Stickstoff Ammoniak zu bilden.
Bei diesen Körpern vereinigen sich also die günstigstenBedingungen, um die vollkommenste Metamorphose zu er-leiden, und es ist wohl bekannt, daß diese Spaltung augen-blicklich erfolgt, sobald die Cyansänrc mit Wasser zusam-menGcbracht wird; unter lebhaftem Aufbrausen verwandeltsie sich in Kohlensäure und Ammoniak.
Diese Zersetzung läßt sich als Typus aller Metamor-phosen stickstoffhaltiger Körper betrachten, es ist die Fäulnißin ihrer reinsten und vollendetsten Form, denn die neuenProdukte, Kohlensäure und Ammoniak, sind keiner wciternMetamorphose mehr fähig.
Eine ganz andere und weit verwickcltere Form nimmtaber die Fäulniß an, wenn die ersten Producte, welche'gc-bildct werden, einer fortschreitenden Veränderung unterliegen;sie zerfällt in diesen Fällen in mehrere Perioden, bei denenes unmöglich ist, die Grenze zu bestimmen, wo die eineaufhört und die andere anfängt.
Die Metamorphose einer aus Kohlenstoff und Stickstoffbestehenden Verbindung, des Cyans, des einfachsten unterallen stickstoffhaltigen Körpern, giebt eine klare Vorstellungvon der Mannichfaltigkcit der Producte, die hierbei auftreten