54 Kap. 16. Von der chineſiſchen Malerey,
beruͤhmt. Ihm folgten die beyden Bruͤder Tobias und Chriſtoph Stimmer, Gruͤn-wald, und eine Menge andrer Kuͤnſtler, die ſich in Nuͤrnberg, Augſpurg, Baſel undStraßburg durch ihre vielen, und zum Theil guten Arbeiten einen Nahmen erwarben.
Ein beſonderes Stuͤck der Kupferſtecherkunſt, iſt die ſogenannte ſchwarze Kunſt,welche eigentlich kein Kupferſtechen iſt: indem man auf eine vorher mit unzehligen Punktenund lauter kleinen Strichen verſehene Kupferplatte ſo lange mit ſpitzigen Inſtrumentenvon Stahl hin und her faͤhrt bis die Platte, wo es nach der Zeichnung erforderlich iſt,geglaͤttet wird; und die glatten Stellen nachgehenos die hohen Lichter vorſtellen. Aufdieſe Art wird die Zeichnung gelinde in Kupfer gebracht, die Arbeit leidet aber wenigeAbdruͤcke, weil es nicht tief ins Kupfer geht, und ſich daher bald ausſchleift. Sie iſt nichtſchwer, gleichwol haben wenige recht ſchoͤne Sachen auf dieſe Weiſe ans Licht gebracht.
Der Erfinder der ſchwarzen Kunſt war ein heſſiſcher Obriſtlieutenant, L. vonSiegen, oder nach andern Siehem, der um das Jahr 1643 der Landgraͤfin Amalia Eli-ſabeth, ingleichen des Prinzen von Oranien Bildniß auf dieſe neue Art verfertigte.Bald darauf verbeſſerte der Prinz Robert von der Pfalz, der in der Zeichen und Ma-lerkunſt ſehr erfahren war, dieſe neue Erfindung, und brachte unterſchiedliche Por-traits, eine Maria Magdalena, und andere Kleinigkeiten zum Vorſchein, die von ſei-ner Geſchicklichkeit zeugten. Nachher kam Vaillant, der eine groſſe Menge Sachenausgehen laſſen, die gut gezeichnet und gearbeitet ſind. In neuern Zeiten haben dieengliſchen Kuͤnſtler alle andre darinn uͤbertroffen, wiewohl man ſagen muß, daß dieItalidͤner ſich faſt gar nicht, und unter den Franzoſen nur ſehr wenige darauf gelegt ha-ben. Fuͤr einen Kenner behalt das Kupferſtechen allemal den Vorzug, wegen des rich—tigern Ausdrucks, und der ungleich groͤſſern Geſchicklichkeit, welche dazu erfordert wird.Obgleich nicht zu laͤugnen iſt, daß den Figuren bey den Arbeiten von ſchwarzer Kunſteine Sanftigkeit, und ein angenehmes Licht und Schatten, wenn der Kuͤnſtler es rechtverſteht, gegeben werden kann, die dem Auge gefallen, und weder durch den Grab—ſtichel, noch durch die Radirnadel erreicht werden.
Zum Beſchluſſe folgen hier einige Regeln oder Grundſaͤtze der Malerkunſt, de-ren ſich alle, die ſich derſelben wiedmen, mit Nutzen bedienen koͤnnen.
1. In der Ausuͤbung der Malerkunſt, muß man ihre Grundregeln jederzeit vorAugen haben, und ihnen folgen.
2. Zur Vollkommenheit in der Kunſt wird nicht nur erfordert, daß der Kuͤnſtlerdavon reden koͤnne, ſondern er muß vornehmlich eine gruͤndliche Erfahrung, die erdurch lange Uebung erhalten, beſitzen.
3. Die ſtarke kraͤftige, und durch laͤnge der Zeit bewaͤhrte Manier der alten groß-ſen Meiſter, iſt der neuern, leichten, und nicht beſtaͤndigen Manier, in alle Wege vor-zuziehen.
4. Ein Kuͤnſtler, der ein ſchoͤnes groſſes Werk, das den Beyfall der Kennerverdienen ſoll, verfertigen will, muß vor allen Dingen das, was er ſich vorzuſtellengewählet, recht durchgedacht, und auch die kleinſten Umſtande uͤberlegt haben, damiter weder was uͤberflüſſiges hinzuſetze, noch etwas nothwendiges weglaſſe.
5. Ein