Band 
Sechster Band.
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11. 1. 1FP——. 8 2—

vom Zolz oder Sormſchneiden, und der ſchwarzen Runſt. 55

5, Ein geſchickter Maler ſoll in allen Theilen ſeiner Kunſt erfahren ſeyn, und inſeinen Werken der Vollkommenheit ſo nahe als moͤglich zu kommen ſuchen.

6. Wer nicht ſelbſt die Kunſt fleißig ausgeuͤbet, andern Kuͤnſtlern beym Arbeitenzugeſehen, ihres mündlichen Unterrichts und Anweisung genoſſen', und ſich gleichwolfür einen erfahrnen Kuͤnſtler hält, weil er viel von ſeiner Kunſt geleſen, der betruͤgt ſichſehr, und wird bald ſehen wie viel ihm fehle, wenn es zur Ausuͤbung kommt.

7. Wenn es gleich viel Zeit und langen Fleiß erfordert, eine Sache gruͤndlich zu

lernen, ſo ſoll ſich der Kuͤnſtler doch nicht abſchrecken laſſen, ſeine Kunſt von den erſten

nfangsgruͤnden zu erlernen, und Schritt vor Schritt gehen; weil er am Ende gewißden Nutzen davon verſpuͤren wird.

8. Da die Sitten und Gebraͤuche ſich mit der Zeit aͤndern, und in jedem Landeunterſchieden ſind, ſo muß der Maler eine Kenntniß davon haben, damit in der Ge-ſchichte, die er vorſtellen will, nichts widriges, und auf Zeit und Umſtaͤnde unſchick-liches vorkomme, und ſein Gemaͤlde wegen des Coſtums fehlerhaft gefunden werde.

9. Man ſoll ſich aber auch nicht zu ſklaviſch an gewiſſe Gewohnheiten, oder Vor-

urtheile binden, ſondern vornemlich die Natur allezeit, und darnach den Wolſtandbeobachten.

10. Den Beyſpielen groſſer und durch allgemeinen Beyfall in der Kunſt geſchaͤtzterMeiſter ſoll man nachahmen, ihrem guten Rathe, wenn man ihn haben kann, folgen,es ſey denn, daß man nach gruͤndlicher Pruͤfung auf etwas beſſeres gefallen, wobeyman ſich aber ſehr fuͤr Parteylichkeit zu huͤten.

11. Der Ruhm verewigt den Künstler: er muß alſo weder Fleiß noch Arbeit ſpa-ren, wenn er ſeinen Nahmen auf die Nachwelt bringen, und ſeinen Werken in kuͤnfti-gen Zeiten beſtaͤndigen Werth verſchaffen will.

12. Wenn der angehende Maler Faͤhigkeit zur Kunſt bey ſich verſpuͤret, ſo nehmeer ſich ia fuͤr Uebereilung in Acht, und gehe nicht gleich weiter, wenn er die erſtenGruͤnde noch nicht ganz, oder nur obenhin gefaßt hat. Zur wahren Vollkommenheitgelangt er nur Stuffenweiſe: Er verlaͤngert die Erlernung der Kunſt, und muß oftwieder zuruͤck, um das Verſaͤumte nachzuholen. Oft iſt der Schade gar nicht wiederzu erſetzen, und der Maler bleibt beſtaͤndig in der Mittelmaͤſſigkeit, weil er keinen tuͤch-tigen Grund zu ſeiner Wiſſenſchaft gelegt hat.

13. Zu der zierlichen Stellung eines Bildes gehort, daß bey der Bewegung dieond wicht höher als der Kopf, der Ellenbogen nicht höher als die Achſel, der Fuß nichtmch als das Knie erhoben werde. Der Fuß ſoll nicht weiter als einen Fuß weit

en

4814. Bey einem jeden Bilde, ſo gar auch bey den Thieren, ſoll man den richtigendun an und den ihm zukommenden Affct beobachten. Es würde wider den Wohl920 10 n denn man ein Ackerpferd ſo zierlich malen wollte, als den Bucephalus

dae gabe, ders? oder wenn man der in eine Kuh verwandelten Jo eine ſo trage Stel-lung gaͤbe, als einem Pflugochſen.

15. Bey