60 Kap. 18. Abbildung verſchiedener Regenten, Weltweiſen Dichter,
die leztere waͤre allein damals im Flor geweſen, wird durch die richtige Zeichnung, undgute Ausfuͤhrung dieſer Arbeit wiederlegt. Sie ſind in dem richtigen Geſchmack derAlten, ſo wie Raphaels Figuren, die er nach den Antiken ſtudirt hatte, gezeichnet.Die Alten wuͤrden es den Neuen vollkommen gleich gethan haben, wenn man damals
ſchon die Kunſt verſtanden, die Farben mit Oel zu bereiten: dadurch haben die neuen
einen groſſen Vorzug in der Kunſt erhalten. Es iſt nur zu bedauern, daß nicht meh-rere Denkmale der alten Malerey bis auf unſre Zeiten gekommen. Wir wollen nur amSchluſſe noch einer einzigen gedenken, die man fuͤr die ſchoͤnſte in Rom haͤlt. DiesFreſcogemaͤlde iſt unter dem Rahmen der Aldobrandiniſchen Hochzeit bekannt: weil eseine Hochzeit oder deductionem ſponſae in thalamum mariti vorſtelſt, und nachdemman es unter dem Schutt eines Gewoͤlbes in Rom gefunden, von dem damaligen Kar-dinal Aldobrandini erhandelt, und in ſeinem Pallaſt aufgeſtellt worden. Die Zeichnungfindet man in den Admirandis des Bartoli, und in Miſſons Italiaͤniſchen Reiſen.
Anmerkung. Mehrere Nachrichten von der Malerey der Alten kann man in desTurnbull Treatiſe of antient Painting, welcher einen ganzen Folianten davon her-ausgegeben, nachleſen. Die wichtige Entdeckung der Stadt Herculanum hat uns indieſem Jahrhunderte in den Stand geſezt, weit mehrere Kenntniſſe der Malereyder Alten zu erlangen, ob wir gleich daraus noch nicht auf die Schoͤnheit der Werkedes Appelles und Zeuxis, wovon die Alten ſo viel Weſens machen, ſchlieſſen koͤnnen.Die beſten dieſer Gemaͤlde ſind in dem praͤchtigen Werke von den Herculaniſchen Al-terthuͤmern, welches auf Koͤnigliche Koſten in Neapel herauskommt, in Kupfer ge-ſtochen. Da es wider den Plan dieſer neuen Ausgabe laͤuft, ſo konnen wir uns uͤberdie Malerey der Alten auch nicht weiter einlaſſen. Wir verweiſen aber die Leſer,auſſer den obgedachten Buͤchern, auch auf Winkelmanns Sendſchreiben, von denHerculaniſchen Entdeckungen.
Das 18. Kapitel.
Abbildungen verſchiedener Regenten, Weltweiſen, Dichter,und andrer merkwuͤrdigen Perſonen aus dem Alterthum, nach alten Statuen,Bruſtbildern, geſchnittenen Edelgeſteinen, und Muͤnzen abgezeichnet,
und mit einer kurzen hiſtoriſchen Erklaͤrung verſehen. a)
Priamus.
Platte i. Den letzte Konig in Troja, ein Sohn des Koͤnigs Laomedon, den das Schickſal1. 5
beſtimmt hatte die traurigſten Begebenheiten zu erleben. Denn als er die durchſeinen Sohn Paris geraubte Helena ihrem rechtmaͤſſigen Gemal dem Menelaus nichtwiedergeben wollte, um ſich wegen der Entfuͤhrung ſeiner Schweſter Heſione zu raͤ-chen, entſtund darüber der beruͤhmte Krieg, in welchem Troja zehn Jahre belagert,und zuletzt ganz zerſtoͤret, und dem Trojaniſchen Reich ein Ende gemacht wurde. Priamusmuſte ſich alſo nicht nur ſeines Reichs beraubt ſehen, ſondern verlor auch dadurch, wieeinige wollen, funfzig Sohne, deren er ſiebenzehen mit ſeiner Gemahlin Hecuba, dieandern aber unrechtmaͤßiger Weiſe erzeugt hatte. Zuletzt kam er ſelbſt ums Leben.Das vortrefliche Heldengedicht die Jliade des Homers iſt zu bekannt, als daß wir esnoch bey dieſer Gelegenheit anfuͤhren ſollten.
Pala-
2) Man ſehe was wir wegen dieſes Kapitels in der Vorrede dieſes Bandes geſagt haben.