Band 
Sechster Band.
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und andrer merkwuͤrdigen Perſonen aus den Alterthume, ꝛc. 61Palamedes.

Ein Sohn des Nauplius, und Konig von Euboea, kam durch Hinterliſt des Ulyſſes Plattel.ums Leben. Die Geſchichte verhaͤlt ſich alſo: Als die Griechen den Zug wider die Tro-

aner beſchloſſen hatten, wollte Ulyſſes bey ſeiner Gemalin Penelope zu Hauſe bleiben:Er ſtellte ſich deswegen unſinnig, und ſpannte verſchiedne Thiere, ein Pferd und einenEſel zugleich vor den Pflug. Als aber Palamedes deſſen Sohn Telemach vor den Pfluglegte, und er ſolchen wohlbedaͤchtig aufhub, gab er ſeinen verſtellten Wahnſinn zu er-kennen. Ulyſſes muſte alſo mitziehen, dachte aber immer heimlich auf Rache: dazukam, daß Ulyſſes einmal auf Proviant ausgeſchickt wurde, und leer zurück kehrte, hin—gegen, als Palamedes in dieſelbe Gegend gieng, einen groſſen Vorrath mitbrachte.Ulyſſes ließ darauf, um ſich an ſeinen Feinden zu raͤchen, heimlich viel Gold in deſſenGezelte vergraben, ſchrieb einen falſchen Brief, worinn Priamus dem Palamedesmeldete, daß er ihm wegen verſprochenener Verrathung der griechiſchen Armee, eineSumme Geldes ſchicke, und veranſtaltete es ſo, daß ſelbiger aufgefangen werden mußte.Als Palamedes fuͤr Gericht gefordert wurde, und ſeine Unſchuld vorſehuͤzte, nahmUlyſſes zum Schein ſeine Partey, gab aber den Rath, man ſollte in ſeinem Zelte nach-ſuchen. Als man nun das Geld fand, wurde er von den in Wuth gebrachten Soldatenals ein Verraͤther mit Steinen zu Tode geworfen. Andere behaupten, Ulyſſes habeden Palamedes unter dem Vorwande, daß er in einem gewiſſen Brunnen einen groſſenSchatz entdeckt haͤtte, verleitet, hinabzuſteigen, und als dieſer ſich unten befunden,habe er ihn mit Steinen zu Tode geworfen.

Dido.

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Dieſe beruͤhmte Königin war eine Tochter des Tyriſchen Koͤnigs Belus. Als ihr platte!Bruder Pigmalion zur Regierung kam, und erfuhr, daß ihr Gemal, der Erzprieſter Si-*

chaͤus groſſe Reichthuͤmer geſammlet, ließ er ſelbigen aus dem Wege raͤumen, um ſichdes Schatzes zu bemaͤchtigen. So bald Dido den Tod ihres Gemals erfuhr, fluͤchteteſie mit den Schaͤtzen auf ein Schiff, und verſenkte einige Kaͤſten mit Steinen ins Meer,unter dem Vorwande, ihres Gemals Schätze waͤren darinn aufbewahret, damit derBruder ihr nicht nachſetzen moͤgte. Sie erhielt ihren Endzweck, indem der Bruderſie ruhig reiſen ließ. Die Abſicht war eine Colonie in einer entfernten Gegend aufzu-richten. Nach einer ziemlich langen Reiſe, und nachdem ſie unterweges auf der InſelCypern achtzig junge Maͤdgen fuͤr ihre unbeweibten Soldaten mitgenommen, landeteſie an der Afrikaniſchen Kuͤſte. Man erzehlt, daß ſie ſich von den Bewohnern derſel-ben ſo viel Land ausgebeten, als ſie mit einer Ochſenhaut umfaſſen könnte, und ſolchedarauf in ſo ſchmale Riemen geſchnitten, daß der Umfang eine ganze Stadt ausmachte,die ſie Carthago nannte. Auf die Art wurde der Grund zu der nachgehends ſo maͤchti-gen Republick Carthago geleget. Der benachbarte Koͤnig der Getulier Hiarbas, bewarbſich ſehr eifrig um ſie. Dido wollte, ob gleich ihre Vertrauten ſehr dazu riethen, ihnauf keine Weiſe heyrathen, ſondern ließ, um ihm auf ewig zu entgehen, einen Holzhau-en ſammlen, ſetzte ſich auf denſelben, und erſtach ſich. Es iſt bekannt, daß Virgildieſe Geſchichte vortreflich beſchreibt, und zugleich eine ganz andre Urſache ihres Todeserdichtet, wenn ſie gleich mit der hiſtoriſchen Wahrheit ſtreitet, indem Dido und Ae-neas gar nicht zu einer Zeit gelebet haben. Uebrigens wurde Dido nach ihrem Todelange von den Carthagenienſern goͤttlich verehret.

Orithya.

Eine Koͤnigin der Amazonen. Dieſe Nation von Weibern wohnte an dem Thraci⸗ pluarrei.ſchen Fluſſe Thermodon. Sie ſollen den Nahmen von den Griechiſchen Woͤrtern⸗ und*

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