Band 
Sechster Band.
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Tab. 4. Die Kegeln der Malerkunſt

Geſichte wehe thut und verhindert, daß die Wuͤrkung des Lichts nichtgenehm auf der Tafel, als in der Natur zu ſeyn ſcheinet. Daher hatſich zu huͤten, daß in keinem Gemaͤlde zwey widrige Lichter erſcheinen.

5. Daß man ſich nicht immer an das ganze ausgebreitete Licht binden mußman kann zuweilen annehmen, als ob die Wolken an etlichen Orten 5zertrennet haͤtten; damit ein ſo ploͤtzlich hervorbrechendes Licht gleichſam 15nen ganzen Klumpen Licht auf eine gewiſſe Stelle werfe; welches die gema 5ten Sachen ſehr auseinander ſetzt, und eine liebliche Wuͤrkung macht; 1die Helle, welche ſonſt ordentlich auf der Erden erſcheinet, ſich etwas verlret, und dem groſſen Glanz des Himmels weichet.

nach der Beſchaf

6. Daß in dem Lichte ein Unterſchied gehalten werden muß, 1fenheit der Urſachen, davon es entſpringt, und der Materien, die es auffange!'

ſo al.man

II. Das Dunkele oder der Schatten, bey welchem ein Unterſchied zu machen iſt1. Unter den Schatten, welche ſelbſt an den Korpern, vermittelſt ihrer eigenen lll

gleichheit entſtehen, da ſich ein Theil vor dem andern erhebt; wobey zu merken

1. Daß, weil in der Malerey die verſchiedenen Wuͤrkungen des Lichtes 1keine andere Art angezeiget werden konnen, als vermittelſt des Schtens, daher deſſen Stuffen wohl beobachtet werden muͤſſen.

2. Daß der Ort, der von gar keinem Licht erleuchtet wird, und wo die 5ben, der Dunkelheit halben, nicht recht zu unterſcheiden ſind, am 10 101 ſchwarzeſten gehalten, und auf dem Vorgrunde angelegt wermuͤſſe.

3. Daß die Reflexion gleichſam eine Zuruͤckprallung des Lichts iſt, und 5Farbe des Gegenſtandes, von dem es zuruͤck geworffen wird, entlehlegleich einem zuruͤckprallenden Ballen, der von ſeinem Winkel mehr oweniger hinweg ſpringt, nachdem der Ort iſt, davon er hergeſchlage,worden, und nachdem der Koͤrper iſt, von welchem er zuruͤck prallerAus dieſem folget, daß bey der Wuͤrkung der Zuruͤckprallung der Stra,len in Anſehung der Farben und der Staͤrke derſelben, ein Unterſchiemachen iſt, nach:

1. Dem Lichte,

2. Der Materie,

3. Der Anordnung,let ſind.

4. Die Vertiefungen, ſo gleichſam Locher ſind, dahin weder Licht noch W.derſcheine dringen koͤnnen, muͤſſen von allem Licht und Farben entfer-net, ganz dunkel gehalten werden. Daher muß dergleichen Vertiefta

und ſtarke Dunkelheit niemals auf einem erhobenen Gliede, oder ſonſt 1

einem groſſen Theil, der vor andern hervor ragt, ſondern allezeit in de.

tiefſten Biegungen und engſten Falten, auſſer dem Umriſſe der Koöͤrpe

und Glieder geſehen werden.

5. Soll man ſuchen ſtarke Schatten anzubringen. Solche dunkle Musen

dienen ſehr dem Geſicht einige Ruhe zu verſchaffen, und die Sach 0

auf das lieblichſte auseinander zu ſetzn. Es zeigt eine mittelmäßſg,

oder gar ſchlechte Manier im Malen an, wenn die Vermiſchung der g

ringern Schatten zwiſchen dem Hellen, ſo oft wiederholet wird. un-i II.

oder wie die Korper einander entgegen geſtel