Band 
Sechster Band.
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Tab. 5. Die Regeln der Malerkunſt

ordnung als eine einige anzuſehen, und daher von dem Auge mit deſtogroͤſſerm Vergnuͤgen gefaßt werden koͤnnen.4. Muß Licht und Schatten recht angewandt werden; wobey zu merken

daß die Wuͤrkung deſſelben ſo einzurichten, daß alle Theile des ganzenWerkes dergeſtalt geſtellet werden, daß man daraus die Zuſammeſetzung des ganzen Werkes gleich im erſten Anblick auf einmal erkem

b

lik

u. Nach den Bewegungen, bey welchen zu beobachten:

1. Daß man ſich fuͤr gezwungenen Stellungen huͤte, wodurch mancher

ſchöne

Theile hervor zu bringen meinet, ſich aber dadurch eine gezwungene ae

nier angewoͤhnet, ſo ganz hart und übernatuͤrlich ausfaͤllt.ſoll vielmehr in der ſimplen Natur vortheilhafte Stellungen ſuche biſich fuͤr die Beſchaffenheit der Perſonen und zu dem ganzen Werke ſe

cken.

2. Bey ſchwachen und magern Figuren ſollen die Gliedmaſſen nicht viel

Maln, die

bloß

ausgeſtrecket werden, und zu Geſichte kommen, weil dadurch dem ganze

Werke eine Unfoͤrmlichkeit zuwaͤchſet.

Man ſoll vielmehr ſuchen, da

man ſie bedecke oder verſtecke, damit nur das ſchoͤne und anmuthige in

Augen falle, und daß

1. Das Haupt recht zwiſchen den beyden Schultern2. Der Leib ſelbſt auf den Huͤften, und3. Der ganze Koͤrper auf die Fuͤſſe im Gleichgewichte geſetzet werde.

u. Nach den Kleidern, bey welchen

1. Das Gewand den Figuren gerecht und anſtaͤndig gemacht werden muß 0

ſo

daß man es fuͤr ein warhaftes Kleid halt, und nicht etwann fuͤr einen Wu,anſehe, welcher nur ungefehr uͤber dieß oder jenes Glied geworfen,denz zu dem Ende ſoll das Modell, ehe es zu der verlangten Stellung 90

richtet wird, zuvor angekleidet werden.

Man mag ſich aber lieber 9.

kleinern, waͤchſernen Modelle, als eines groſſen hoͤlzernen Gliederme ibedienen, weil man nach demſelben nur ſteife und gezwungene Arbei

machen kann.

2. Soll man die Falten des Gewandes alſo ordnen, daß ſie groſſe Partien

ausmachen, wodurch das Nackende frey ſcheinet. WnenBiegungen der Arme, Knie ꝛc. oder wo etwas gebunden, oder zuſamm

gehalten wird, muͤſſen kleine Falten angewendet werden. Aunem erhabenen Orte aber, oder wo ein Glied hervor ſtehet, als uAchſeln, Elnbogen, Knien u. ſ. f. ſind die Falten ſorgfaͤltig zu vermdamit die Glieder hierdurch nicht gehindert, ſondern vielmehr in

nHingegen hey 5.7über deneiden/ihrem

rechten Verhaͤltniſſe und freyer Bewegung ausgedrucket werden.

3

*

werden.

Wenn man ein Gewand zu ſeinem Gebrauch, bey einem Modell ſckelegen will, ſoll der Zeuch oder Stof in die Hoͤhe gehoben, ausgebrengenund allmahlich niedergelaſſen werden, damik die Luft ſich in den Ja

fange, und ſelbige auf blehe, wodurch ſie viel runder und foͤrmlicher

III. Der Kontraſt, welcher anzuſehen iſt in Betracht*1. Der Stellungen, welche auf unzaͤhlige Weiſe abwechſeln koͤnnen, nach dem

terſchied, ſo vorkommen kann

1. Beh