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148 Die zweyte Vorleſung. Von den verhaͤltniſſen.
nicht ausuben. Die Staͤrcke der Arme haͤngt zum Exempel von den groſſen Musk.ab, welche ſie mit der Schulter vereinigen. Unwiſſende Schuͤler koͤnnen hier leich 15unrechten waͤhlen, und alſo die Hauptmuskeln nicht anzeigen, welches gleichwohvorzuͤglichſte Schoͤnheit des Umriſſes ausmacht.
In Anſehung der genauen Nachahmung der Modelle ward angemerkt, daß 1
die geſchickteſten Zeichner ſolches genau kopiren muͤſſen, wie ſie es vor ſich ſehen,ſich nicht von der Wahrheit zu entfernen, wenn ſie nach der Natur ſtudiren. 0 5ſie nachgehends ſelbſt etwas ausfuͤhren, ſo muͤſſen ihnen ihre Studien oder eichnul-gen die wahre Natur darſtellen, daraus ſie nachgehends waͤhlen koͤnnen, um ihren 55guren einen ſtarken oder ſchwachen Charakter zu geben; denn der Hauptzweck ihStudirens muß allemal ſeyn, ſich dadurch in den Stand zu ſetzen, ihren Figuren einenſchicklichen Charakter zu geben.
„Alle dieſe Anmerkungen wurden durch das Beyſpiel des Gemaͤldes vom Raphaelerlautert. Man bemerkte zweyerley Arten von Kontur darinn. Die Figur des El“gels zeigt einen jungen Helden. Die Umriſſe ſind edel, und lauffen ſauft fort/ maſieht weiter keine Muskeln als die zur Schoͤnheit der Form des Koͤrpers dienen. Wenner gleich eine groſſe That ausführen will, ſo aͤuſſert er doch keine Bewegung, onderbleibt in einer gewiſſen Ruhe, weswegen er viel aͤhnliches mit dem beruͤhmten allt,Apollo hat. Der Kontur der andern Figur iſt viel muskuldſer und plumper der Me fhat ſolchen wohlbedaͤchtig bey der Figur des Teufels gewahlt. Die Umriſſe ſcheileshier viel unbeſtimmter, die Muskeln geſchwollner, und mehr ausgedruckt. Dieſe ngur hat viel aͤhnliches mit der antiken Statue, welche man gemeiniglich den kleineFaun nennt. 8
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Man ermahnte die Schuͤler einem ſo vortreflichen Muſter ſorgfaͤltig nachzuahn 1und den Umriß allemal dem Charakter der Perſonen gemaͤß einzurichten, wie diefegroſſe Meiſter gethan hat, und ſich zu huͤten, daß er niemals ſcharf ſcheine, wenn,Bild uͤbrigens auch noch ſo fleißig ausgefuhrt iſt. Weil Raphael ſehr ſorgfaͤllig 5weſen, ſeinen Werken die moͤglichſte Vollkommenheit in Anſehung der richt 0Zeichnung zu geben ſo hielte man ſich lange bey dieſem herrlichen Gemaͤlde auf, uzeigte die Verhaͤltniſſe, den Ausdruck, die Anordnung, die Haltung, und die Fihrun,der Umriſſe, wovon wir ein andermal handeln wollen, um uns dieſesmal nicht du a
ge aufzuhalten.
Die zweyte Vorleſung.Von den Verhaͤltniſſen.
Monſeigneur,
Deit der letzten Vorleſung, welche ſie mit ihrer Gegenwart beehrt haben, hal udie Academie mit den Verhaͤltniſſen und Umriſſen beſchaͤftigt. Die Verhallſahbetreffen entweder die Hoͤhe, oder die Breite, oder die Dicke: ſie gehoͤren we hzum Koͤrper dem ſie zum Maaſſe dienen; und ſind nach dem Geſchlechte, Alte 1Stande verſchieden. Man ſetzte viererley Arten von Verhaͤltniſſen feſt, die bo d erBeſchaffenheit des Koͤrpers abhangen, nemlich, ſie ſind entweder kurz und dick/ 1 5fein und ſchlank, oder ſtark und kraͤftig, oder endlich lang und ſchmal. Das Maaß eeſelben beſtimmte man theils nach dem lebendigen Modell, theils nach den beſten Antiken.
8„ 5Man ſuchte den Anfängern die Erlernung der Verhaͤltniſſe leicht zu machen/ dernahm das Geſichte zum Maaßſtabe an. Es ward in drey Theile getheilt, un der-