Band 
Sechster Band.
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Die zweyte Vorleſung. Von den Verhaͤlt niſſen. 149

derselben wieder in vier kleinere, zu den kleinſten Theilen des Korpers. Man nahmlauf die verſchiedenen Stuffen des menſchlichen Alters vor, die Kindheit, die Ju—

gend und das maͤnnliche Alter. Um aber eine verdruͤßliche Wiederholung aller ver-chiedenen Maaſſen zu vermeiden, ſo ſchrenkte man die Unterſuchung nur auf zwey Fi-

dure ein, nemlich auf die edlen Verhaͤltniſſe der heroiſchen Figuren, und auf die

dumpen und bäuriſchen. Der uͤbrigen ward nur im Vorbeygehen gedacht, um denlterſchied uͤberhaupt anzuzeigen.

Zum Muſter der heroiſchen Verhaͤltniſſe waͤhlte man den Apoll von Belvedere,wacher 3 e n. iſt. Die andern Antiken, ſelbſt die weiblichen Sta-205 ſind nur in der Staͤrke verſchieden. Die epheſiſche Diana hat eben die Verhaͤlk-e als der Apollo, ausgenommen, daß ſie ſtaͤrkere Huͤften, Knie und Beine hat; dieStatue der Venus hat noch ſtaͤrkere Huͤften, Lenden und Knie, als die Diana.

Zu den baͤuriſchen Verhaͤltniſſen waͤhlte man die antike Statue des jungen Fauns,wacher nur 8 5 die meiſten plump gebildeten Menſchen, daruntertern auern gehoͤren, welche gemeiniglich einen dicken Kopf, kurzen Hals, hohe Schul-in, ſtarke Beine und Fuͤſſe haben.

Bey di i jeng man die Verhaͤltniſſe eines jeden Theils, nach dem ange-wnmenen An ee um den Schuͤlern ſolche ſo leicht, deutlich und richtigſen algen, als möglich, wie man es mit mehrern aus der Tabelle von den Verhaͤltniſ-

n ſehen kann.

Einer eſellſchaft uͤbergab der Academie ſeine in Rom verfertigten Zeich-zungen nach i Sie waren ſehr ſauber mit der Feder gemacht, undmit Maaß der Verhaͤltniſſe war ſorgfaͤltig dabey angemerkt, ſo wie er ſolches ſelbſt8 moͤglichſter Genauigkeit an dem Originale genommen hatte. Er hatte die Naſe1 Maaßſtab gewaͤhlet, und dem Geſichte drey Naſenlaͤngen gegeben, welches mit1 oben angezeigten Methode meiſtens uͤberein kommt. Er ſchenkte die Zeichnungenaß cademie, um in dem Saal der Zeichner als ein beſtaͤndiges Muſter fuͤr die Schuͤler

gehangen zu werden.

a Man warf bey dieſer Gelegenheit verſchiedene Fragen auf, ob man dieſe Maaſſenihr zuverläßig annehmen könne, und ob die alten Meiſter ſie als eine untruͤgliche Regel anlian Werken beobachtet hätten. Man behauptete ſolches well manſich au die Geschickheit und den Fleiß des Zeichners(welches einer der Rectoren der Academie war)f claſſen koͤnnte, und es gewiß waͤre, daß die Alten dieſe Verhaͤltniſſe bey ihren Wer-gebraucht. Vitruv, welcher damals lebte, meldet, daß die alten Kuͤnſtler alletaaſſen nach dem menſchlichen Geſichte eingerichtet. Er beſtimmt jedoch nicht, was455 eine Eintheilung man gewaͤhlt, weil es dem Urtheil eines jeden überlaſen ward,ne nach Belieben anzunehmen. Die Stirne könnte vorzuͤglich zum 3 die-ten weil ſie gleichſam der Sitz der Züge einer ſchönen Phyſſonomie iſt/ 2 4 i 5S. aben lieder die Laͤnge der Naſe zum Maaßſtab angenommen, weil die von derirne gar zu verſchieden iſt.

Es ward ferner gefragt, ob man dieſe Art zu meſſen bey allen Figuren ohne linter-bold amchen 1 N ward in Anſehung der Höhe beiahet, aber ieh Breite ſey ein Unterſchied zu machen. Dieſe müſs 0 eee 155

Ul. Sauptth. VI. Band.