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Sechster Band.
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Die vierte vorleſung. Von der Anordnung. 165

huinklichten allemal beſſer dazu als die runden. Man kann die Perſpektiv auch beſ-lde dabey anbringen, die ſowohl bey Stellung der Figuren als bey andern ſo-m en Koͤrpern nie aus der Acht zu laſſen iſt. Man bewies dieſes durch Raphaels Ge-kolde⸗ die Schule von Athen genannt. Alle Kenner halten ſolches fur das voll-ommenſte Muſter der Anordnung. Hier machen die Figuren Winkel, die alle nachem Augpunkte zulauffen. Die Hauptregul bey jeder Anordnung eines Gemaldes

on mehrern Figuren iſt, daß ſie das Auge insgeſamt auf die Hauptfigur lenken.

0 Sucht man ja eine Aehnlichkeit zwiſchen der Figur eines Kopfs, und der Former Anordnung ſo ſoll ſolche in der Wirkung vom Licht und Schatten, in der Ver-einigung der Theile auf einen Augpunkt, in der Verkleinerung der entfernteren Thei-e, und endlich darinn beſtehen, daß das ganze Gemaͤlde nur einen Gedanken oder Ge-enſtand, ſo wie ein Kopf nur eine Leidenſchaft ausdrucken muß. Man vergleichtswegen die Anordnung eines Gemaͤldes nicht unrecht mit einer Weintraube, ſo wohlg Anſehung der Stellung der Figuren, als der Vertheilung des Lichts. Die ver-hiedenen Gruppen in einem Bilde ſind die kleinen Klumpen der Traube, die von-ainander abgeſondert ſind, aber doch ein ganzes zuſammen ausmachen. Das Haupt-

t des Gemaͤldes ſoll alſo auf eine Stelle geworffen werden, und nach und nach ab-nuubmen, ſo wie ſich die uͤbrigen Theile des Gemaͤldes davon entfernen. Dieſes wardurch viele Gemaͤlde bey der Verſammlung bewieſen.

Alle Gemaͤlde durchzugehen wuͤrde zu weitlaͤuftig ſeyn, wir wollen alſo nur beyteben ſtehen bleiben. Das eine beſteht nur aus zwey Figuren. Es iſt das bereits öf-zum Muſter vorgeſtellte Bild Raphaels vom Gefecht des Engels Michael mit demDrachen. Das andere iſt die bekannte heilige Familie eben dieſes Meiſters, welcheuus einer Gruppe von verſchiedenen Figuren beſteht. Das dritte ſtellt viele von ein-ander getrennte Gruppen dar, und iſt der Mannaregen von Poußin.(“)

00 Bey dem erſten Bilde ward angemerkt, daß die beyden Figuren einen vortrefli-en Kontraſt ausmachen. Auf der Seite, wo der Engel ſeinen Arm aufhebt, läßt

ſic Teufel den ſeinigen ſinken, und da dieſer den linken Arm in die Hoͤhe zu bringen

fact, ſo iſt der von dem Engel niedrig. Der Engel ſteht meiſtens gerade, und zeigt

a edles und ausdruckvolles Geſicht, der Teufel liegt, man ſieht ſeinen Ruͤcken, und

ſcheußliches Geſicht in einer gezwungenen Stellung. Auſſer dieſem Kontraſt bey-Figuren gegen einander, hat eine jede auch noch den ihrigen vor ſich.

„ Bey dem Engel ſieht man das Geſicht von vorne und den Leib von der Seite;die ünke Schulter ſteht niedrig und vorwaͤrts, das linke Bein wird rückwärts in 5ohe gehoben, das rechte Bein ſteht hingegen niedriger und vorwaͤrts⸗ 5 5 daßſebten Arm zurück zieht und in die Hoͤhe hebt. Beyde Figuren ſind ſo angeordnet,

en ganzen Raum des Gemaͤldes einnehmen. Die Fluͤgel breiten ſich 0

() Man ſehe die dieſer Abhandlung beygefügten Kupfer, ſie ſind aber auch 1ſen Meiſtern geſtochen, inſonderheit iſt die heilige Familie eines der perrlichſtet 8dem Grabſtichel des beruͤhmten Edelinks merkwuͤrdig.

iu. Sauptth. Vl. Band.(Y