164 Die vierte Vorleſung. Von der Anordnung.
ſtößt, ſo ſoll es ein Zeichen von Klugheit ſeyn, wie man ſolches bey den KamerleElephanten und Affen antrift, fallt dieſer Winkel aber auf die Naſe, ſo zeigt eDummheit und Einfalt an, wie bey den Eſeln und Schöpſen. Dieſes trift meht ode,weniger ein, nachdem der Winkel hoͤher oder niedriger fallt. Alles das bisher 90
ſagte ward durch Zeichnungen, die nach dem Leben gemacht waren, deutlich gemach g
Die vierte Vorleſung.Von der Anordnung.
Monſeigneur,
Da wir heute die Unterredungen der Academie uber die Anordnung vorzutragerhaben, ſo erinnern wir zufoͤrderſt, daß in derſelben gleichſam alle Theile gMalerey vereinigt ſind, und daß ſie bloß ein Werk des Genies iſt. Die Acadhat deswegen geglaubt es waͤre nicht gut, ſich auf eine Menge Regeln eiueſen, ſondern nuͤtzlicher fuͤr die Schuͤler, ſie gleich auf Exempel zu fuͤhren, um ihnedadurch Begriffe von der Anordnung beyzubringen.
Dazu wurden die herrlichen Meiſterſtuͤcke der Academie genommen, und 5ley Anmerkungen daruͤber gemacht. Bey allen Gegenſtaͤnden, die ein Maler al,ſucht, kommt es zuerſt auf den Ort der Handlung an, und in Anſehung der 95guren auf ihre verſchiedene Bewegungen, auf eine richtige Stellung und Veobuc,tung des Gleichgewichts, auf ihre Anordnung nach den verſchiedenen Gründen afgen der Perſpectiv, auf den Kontraſt, auf Licht und Schatten, und endlich a 1das Kolorit. Auf alle dieſe Stucke muß der Maler bey der erſten Anlage ſche.ſein Augenmerk richten, weil ſie bey der folgenden Ausfuͤhrung insgeſamt zur Wikung und zum Ausdruck des Ganzen etwas beytragen muͤſſen. Der Maler fſuchen ſowohl bey den Gruppen, als einzelnen Figuren groſſe Partien von Schalten und Licht zu behalten, weil dies ſeinem Gemälde ein edles Anſehen giebt, 1
es von den in einer kleinen Manier ausgefuͤhrten Stuͤcken unterſcheidet.
In Anſehung der Form, welche man dem Entwurf eines Gemaͤldes giebt, izren die Meinungen verſchieden. Einer von der Academie behauptete, es waͤre 15
beſte, ſämtliche Figuren, ſo wie einen einzigen Kopf anzuordnen. Er gründetene Meinung darauf, daß das Auge einen Gegenſtand weit beſſer uͤberſehe/ loßdaß man alſo auch in der Anordnung, die Anzahl der Figuren mag noch ſo groſeyn, eine gewiſſe Einheit zu beobachten ſuchen muͤſe. Weil nun die runde 965das beſte Verhaͤltniß hat, und auch am beſten in die Augen fallt, ſo ſchloß er, 5man bey der Anlage eines Gemaͤldes, ſo viel es der Gegenſtand zulaͤßt, die Figurennach der Geſtalt eines Kopfes anordnen muͤſſe.
Man antwortete ihm darauf, daß es viel wichtiger ſey, bey der Anordnung einaus vielen Figuren beſtehenden Gemaͤldes die Symetrie, oder eine andere regemäßige Form zu vermeiden; die Schoͤnheit der Anordnung beſtehe bey den Figurenwelche das Anſehen haben muͤſſen, als bewegten ſie ſich, vielmehr im Kontraſt/ 70ſtatt alſo ſich durch Stellung der Figuren nach einer gewiſſen Form, einen Zwang 5zuthun, iſt es beſſer ungezwungene Entwuͤrffe zu machen, und an keine geole 92ſche Figur dabey zu denken. Wollte man ja eine annehmen, ſo ſchicken 115 fl.