Einleitung. 15gedachter Kaiſer Conſtantin beym Lateran auffuͤhrte, trift man eine gute Architecturan; die Hauptthuͤren ſind mit ſchoͤnen Seulen von Porphyr verſehen. Die Capitale,und andere architectoniſche Zierathen verdienen vieles Lob. Hingegen ſieht man dasBildniß des Kaiſers in der Kirche des heiligen Johannes beym Lateran„und auf demCapitol mit veraͤchtlichen Augen an, und ſucht vergebens die Kunſt, die ſich in denKöpfen der erſten Kaiſer zeigt. Die noch vorhandene ſchöne porphyrene Schaale mitkünſtlich gearbeiteten Basreliefs, worinn der Kaiſer nebſt ſeiner Tochter Conſtantia
getauft worden ſeyn ſoll, ſind aus aͤlterer Zeit, und nur damals erſt zu dieſem Ge-brauche gewidmet worden
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Eine von den Urſachen, die den plötzlichen Verfall der Kunſt befoͤrderten, war dieVerlegung des Kaiſerlichen Sitzes nach Conſtantinopel. Der Kaiſer wollte ſeine neueReſidenz recht praͤchtig ſehen, und zog deswegen, was noch von guten Kuͤnſtlern uͤbrig
ar, dahin: ja es war ihm nicht genug, neue Statuen und Kunſtwerke verfertigenzu laſſen, ſondern es wurden auch noch eine unbeſchreibliche Menge der herrlichſten Sa-chen von Rom weggeführt. Da die Stadt alſo auf einmal der Kuͤnſtler/ und der voll-kommenſten Kunſtwerke, darnach ſich junge Anfaͤnger wieder haͤtten bilden koͤnnen, be-raubt wurde, ſo mußte der gänzliche Verfall der Kunſt nothwendig folgen. Was noch uͤ-rig geblieben, wurde in der Folge von den Barbaren zerſehlagen, verdorben, und die Kunſtſo zu ſagen, bis auf den Nahmen vertilgt. Es iſt faſt ein Wunder, wie bey dengrauſamen und oft wiederholten Verheerungen, noch ſo viele Stuͤcke erhalten worden,die man in neuern Zeiten aus den Truͤmmern hervorgezogen. Die Verlegung des Kai-ſerlichen Aufenthalts hatte nicht ſo vielen Einfluß auf die Gebäude, dieſe waren vonlaͤngerer Dauer, und konnten nicht, wie die Statuen weggefuͤhret werden. Sie blie-
ben als Muſter ſtehen, nach welchen man ſich richtete, bis ſie endlich auch von denrauhen Voͤlkern zerſtoͤrt wurden.
Um dieſe Zeit nahm Pabſt Liberius den Bau der Kirche S Maria Maggiore vor;die Baumeiſter zeigten daran ihre Geſchicklichkeit in guter Austheilung und in richtigenVerhaͤltniſſen, hingegen fehlte der Geſchmack ganz in denjenigen Zierathen welche die
üldhauerkunſt erforderten, in den moſaiſchen Arbeiten, und in der Malerey. UnterKaiſer Julian dem Abtruͤnnigen bauete man den Maͤrtyrern Johannes und Pauluseile Kirche auf dem Berge Geluus, woran man den Mangel der Kunſt gar deutlichpurte. Da an koſtbaren Materialen, an Porphyr und Jaſpis nichts geſpart wurde,
ſo wäre gewiß auch geſorgt worden, ſie gut verarbeiten zu laſſen, wenn ſich geſchikteMeiſter gefunden hatten.
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Es iſt nicht zu laͤngnen, daß die Einführung der ehriſtlichen Religion von Con-ſtantin des Groſſen Zeiten an, den Kuͤnſtlern einen groſſen Stoß gegeben. Da derheydniſche Goͤtzendienſt viele Bilder erforderte, ſo ſuchte man in der erſten chriſtlichenKirche, damit die Leute nicht Gelegenheit haben ſollten, auf den Bilderdienſt zu fal-
len, die groͤſte Einfalt einzufuͤhren, und alle Bilder, Statuen und Gemälde aus denGot-