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Siebender Band.
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40 Kap. 4. Von den drey Malern

Allein dagegen laͤßt ſich, was die Zeichnung anbetrift, noch viel einwenden. Mandarf nur die beſten Statuen des Alterthums anſehen, jedermann giebt ihnen in derRichtigkeit der Verhaͤltniſſe, der Umriſſe der Lage der Muskeln, den Vorzug, undKenner ſchätzen ſie weit hoͤher als die beſten Stuͤcke eines Michael Angelo desgroͤßten Bildhauers neuerer Zeit. Da nun die groſſen Maler mit den beſten Bild-hauern zu einer Zeit lebten, ſo kann man daraus mit ziemlicher Gewißheit ſchlieſ-ſen, daß ſie eben ſo ſtarke Zeichner als dieſe geweſen; und folglich die neuern indieſem Theile der Malerey uͤbertroffen haben. Eine ganz andere Beſchaffenheit hates mit dem Kolorit, worinn die neuern Kuͤnſtler unſtreitig vor den Alten, welchedie Miſchung der Oelfarben nicht kannten, den Vorzug verdienen.

Was die Manier des Apelles anbetrift, ſo giebt man ihm durchgaͤngig dasLob, daß er mit einer auſſerordentlichen Lieblichkeit gearbeitet. Kein Maler konn-te es ihm darinn gleich thun. Er ſahe ihre Arbeiten an, lobte ſie, und bedauer-te daß ihnen nichts als eine gewiſſe Grazie fehlte, welche in ſeinen Werken anzu-treffen war. Er tadelte dieſen Fehler, nicht um groß zu thun, ſondern weil erals der groͤßte Kuͤnſtler oft um ſein Gutachten gebeten wurde. Als er einſt einGemaͤlde des Protogenes ſahe, bewunderte er den Fleiß und die groſſe Kunſt da-ran, und ſagte, daß der Kuͤnſtler ihm in vielen Stuͤcken gleich kaͤme, und in einigengar uͤbertreffe; inzwiſchen habe er vor jenem darinn den Vorzug, daß er ſeine Arbeitſeichter zu ſtande bringe, da Protogenes niemals das Ende finden koͤnne. Er woll-te dadurch nicht die Uebereilung rechtfertigen, ſondern nur andeuten, daß ein garzu groſſer Fleiß der Arbeit oft ſchaͤdlich ſeyn koͤnne, indem die Malerey dadurchmatt und gezwungen wird, und eine gewiſſe angenehme Sanftigkeit verliert. DiesUrtheil war ſeinem aufrichtigem und offenherzigen Character gemaͤß.

Zu einer andern Zeit ließ ſich Apelles mit dem Protogenes in einen artigenWettſtreit ein, nachdem er, um dieſen groſſen Kuͤnſtler naͤher kennen zu lernen,nach der Inſel Rhodus geſegelt war. Gleich nach ſeiner Ankunft gieng er in desProtogenes Haus, ohne ſich zu erkennen zu geben, fand aber niemand als eine al-te Frau. Er begab ſich in die Werkſtatt, und als er ein Tuch auf der Staffeleyausgebreitet fand, zog er mit dem Pinſel einen ſehr feinen Umriß. Als die Fraunach ſeinen Nahmen fragte, erwiederte er: ſie ſollte ihrem Herrn nur berichten,daß jemand, der den Umriß gezeichnet, nach ihm gefragt haͤtte. Wie Protogeneszu Hauſe kam, die Nachricht von der Frau hoͤrte, und zugleich den Umriß ſahe,ſchloß er, Apelles muͤſſe zu Rhodus ſeyn, weil er deſſen Hand kannte, und glaub-te, keiner konne ſonſt einen ſo feinen Strich machen. Er zeichnete darauf noch ei-nen feinern Strich mit einer andern Farbe, und befahl der Frau, dem Fremdenbey ſeiner Wiederkunft zu vermelden, dieß ſey die Hand deſſen, den er ſuchte.Apelles ſtellte ſich wieder ein, und wie er die feinere Zeichnung ſahe, ſchaͤmte erſich, daß Protogenes ihn uͤbertroffen. Er ergrif den Pinſel von neuen, und mach-te in dieſem zweyten Striche einen noch weit feinern mit einer neuen Farbe, mitſolcher Geſchicklichkeit, daß es unmoglich war ihn zu uͤbertreffen. Protogenes er-ſtaunte bey ſeiner Zuhauſekunft, lief eilends nach dem Hafen, um den Apelles auf-zuſüchen, und eine vertraute Freundſchaft mit ihm zu ſtiften. Siehe Platte F.

Dieſe Tafel wurde zum Andenken und zum Beweiſe der Kunſt aufgehoben,und nachgehends in des Caͤſars Pallaſt nach Rom gebracht, wo ſie nebſt demſel-ben in Feuer aufgieng Plinius, der ſie oft geſehen, beſchreibt ſie ſehr groß, unddaß ſie unter ſo vielen ſchoͤnen Gemälden als eine leere rauhe Leinwand angeſehen,

weil