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Siebender Band.
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Philochares, Melanthus und Apelles. 41

weil man in der Entfernung die feine Malerey nicht habe erkennen koͤnnen. Sie ſeyaber faſt hoher als alle andre Stucke geachtet worden, wenn gleich nur drey duͤnneStriche darauf gemalt geweſen. Viele legen dies nach den Worten aus, und bildenich ein, daß bloſſe gerade Linien auf der Tafel geſtandenz es iſt aber viel glaublicher,daß es Umriſſe von einer menſchlichen Figur oder ſonſt einer Sache geweſen, und daßin dieſe Zeichnung immer eine feinere hinein gemacht worden. Man wuͤrde bloſſe gera-Linien nicht ſo bewundert haben, und die Kuͤnſtler haͤtten dadurch einen ſchlechteneweis ihrer Geſchicklichkeit abgelegt. Einen geraden Strich koͤnnte ein jeder ziehen,aber in eine freye Zeichnung duͤnnere Striche zu machen, dazu wird mehr Kunſt er-fordert. So muß man auch den Wahlſpruch des Apellesf Nulla dies ſine Linea, kein Tag ohne Strich, fnicht von bloſſen Strichen verſtehen; ſondern es zeigt des Meiſters groſſe Neigung zufeiner Kunſt an, der keinen Tag wollte verſtreichen laſſen, ohne eine Zeichnung zu ver-fertigen, oder ſonſt etwas zu malen. Auſſer dem jetztgedachten Protogenes ſchaͤtzte ernoch ein paar andre Kuͤnſtler, den Amphion und Aſcepiodorus ungemein hoch undgab ihnen, in Anſehung der Anordnung und des guten Verhaͤltniſſes, den Vorzug ubereine eigene Werke. Ein elender Maler zeigte dem Apelles einmal ein Gemaͤlde, undwuhmte ſich, daß er es in gar kurzer Zeit zu Stande gebracht; worauf dieſer zur Aut-wort gab: das hätte ich ohne eure Verſicherung geglaubt, mich wundert, daß ihrnicht noch mehrere in der Zeit verfertiget habt. 85Apelles bildete ſich auf ſeine Kunſt nicht viel ein, ſondern hoͤrte gerne das Urtheilandrer uͤber ſeine Werke: er zog oft die Meinung ſchlechter unverſtändiger Leute ſei-der eigenen vor, wenn er ſie gegruͤndet fand. Er pflegte zu dem Exec ſeine Gemel-e wenn ſie fertig waren, vor ſeinem Hauſe aufzuſtellen, und ſich dahinter zu verſte-en, damit die vorbeygehenden daruͤber deſto freier urtheilen moͤgten, und er ungeſe-an zuhören konnte. Als er eine Venus oͤffentlich aufgehangen, gieng ein Schuſter Han 5.orbey, und bemerkte, daß der eine Schuh in Ermanglung eines Riemens nach dama-lger Art nicht könne zugebunden werden. Apelles ſahe ſeinen Fehler ein, und verbeſſerteihn. Wie der Schuſter den folgenden Tag gewahr wurde, daß man ſeinem Rathe ge-folget, ward er fuͤrwitzig, und wollte ſich nunmehr auch an andre Dinge, auſſer ſeinenenntniſſen wagen, und behauptete, das eine Bein waͤre nicht natuͤrlich gezeichnet.belles aͤrgerte ſich, daß jener Dinge beurtheilen wollte, die er nicht verſtand, tratdeswegen hinter ſeiner Leinewand hervor, und gab ihm zu verſtehen, daß er, wenn erurkheilen wollte, ſich nicht ber die Schuhe verſteigen ſollte. Daher iſt das Sprich-wort geblieben: f 8Ne Sutor ultra crepidam. Der Schuſter bleibe bey ſeinem Leiſten. 5Apelles war ſonſt ſehr angenehm und gefaͤllig im Umgange, und wuſte oft ſinnreicheAntworten zu geben. Daher liebte ihn der groſſe Alexander ungemein, und konnte oftConde von ihm anhören, die ein andrer ſich nicht gewagt haͤtte, ihm zu ſagen. Als derKonig uber Kunſtſachen unrichtig und nachtheilig urtheilte, bat Apelles ihn ganz hoͤfiich,leiſe zu reden, damit ſeine Schuͤler, die im Nebenzimmer Farben bereiteten, es nichthören, und daruber lachen moͤgten. Ein vornehmer vom perſiſchen Hofe, NahmensMegabyſus, ſahe den Apelles einſt arbeiten, und urtheilte über verſchiedene Stuͤckei g ſehr unrichtig: zu dem ſagte er: meine Schuͤler haben, ſo lan-ge ihr geſchwiegen, eure praͤchtigen Kleider und Kleinodien mit Verwunderung angeſe-hen, ſo bald ihr aber angefangen von Sachen zu reden, die ihr nicht verſtehet, habenſie uber euch geſpottet.Wie viel Alerander auf dieſen Künſtler gehalten, davon giebt folgender Vorfall

einen Beweis. Er liebte eine gewiſſe uͤberaus ſchoͤne Perſon, Nahmens Campaſpe,II. Sauptth. VII. Band.* N a