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42 Kap. 4. Von den drey Malern

welche Apelles nackend abmalen mußte. Wie er bey dieſer Arbeit beſchaͤftiget war,

und die Reizungen des Originals genauer betrachtete, verfiel er in eine heftige Neigung

zur Campaſpe, und ſie erwiederte dieſelbe mit einer gegenſeitigen Zaͤrtlichkeit. Alexan-

der merkte das Verſtaͤndniß gar bald, ob gleich beyde es ſehr vor ihm zu verbergen ſuch-

ten, und uͤberließ dem Apelles ſeine Geliebte, und ſetzte hinzu, er wolle dem Kuͤnſtler hier-

durch zeigen, daß er ein Koͤnig ſey, dem auch ſeine Neigungen zu Gebote ſtuͤnden.

Siehe Eine Denkungsart, die ihm mehr Ehre machte, als die Eroberung der Laͤnder.(ſiehe

Nlatte k. Platte F.) Apelles mußte den Alexander ſehr oft, und auf verſchiedene Art malen.

Unter andern ſtellte er ihn einmal als den Jupiter mit dem Donner in der Hand ſo na-

tuͤrlich vor, daß der Blitz gleichſam aus dem Gemaͤlde herauszufahren ſchien. Es war

nur mit vier Farben gemalt, und wurde im Tempel zu Epheſus aufgehangen. Alexan-

der ſchenkte dem Meiſter zwanzig Talente dafuͤr, und in der Folge wurde es mit ei-

nem Maaſſe voll ungezaͤhlter Goldmuͤnzen erkauft. Auf ein paar andern Gemaͤlden,

welche nachmals nach Rom kamen, hatte er den Helden im Triumph abgebildet. DerKoͤnig gab ausdruͤcklichen Befehl, daß ihn niemand anders malen ſollte.

5 So viel Gluͤck Apelles unter Alexandern genoß, ſo gehaͤßig war ihm deſſen Nach-folger Ptolemaͤus, welcher ganz anders gegen die Kuͤnſte geſinnt war als ſein Vorgaͤn-ger eben dieſes Nahmens, deſſen oben unter dem Maler Melanthus gedacht worden.Apelles kam nach erlittenem Schiffbruch von ohngefehr nach Alexandrien, und wurdeauf Anſtiften ſeiner Feinde beym Koͤnige zu Gaſte geladen. Als er in der Meinung,daß der Koͤnig ſeinen Groll verloren, erſchien, fuhr der Koͤnig ihn zornig an, undfragte, wer ihn gebeten? Der Kuͤnſtler, welcher den Nahmen nicht wußte, ſich aberſeiner Geſichtszuͤge erinnerte, ergrif geſchwind eine Kohle und zeichnete den Kopf deſ-ſelben an die Wand. Der Konig erkannte den Thaͤter alſobald, und erfuhr die ganzeSache. Apelles betrug ſich dabey ſo gut, daß der Koͤnig ſeinen bisherigen Haß inFreundſchaft verwandelte. Aber hierdurch wurden ſeine Feinde noch weit mehr auf-gebracht, und ſpannten alle Krafte an ihn zu ſtuͤrzen. Am meiſten war der HofmalerAntiphilus, der ſich zu ſehr von ſeinem Gegner uͤbertroffen ſah, auf ihn erbittert. Ergab deswegen den Apelles beym Koͤnige faͤlſchlich an, als wenn er durch einen gewiſſenTheodot den gefaͤhrlichen Aufruhr zu Tyrus geſtiftet, und den Anſchlag zur Eroberungvon Peluſten gegeben. Der Konig glaubte es anfangs, ohne ſich weiter zu erkundi-gen, ob es dem Apelles in den Sinn gekommen, ob er in Tyrus geweſen, oder ob derHofmaler ihm dieſes nicht vielmehr aus Neid ſchuld gebe? und nannte den Apelles öf-fentlich einen undankbaren falſchen Verraͤther. Ein andrer der gleichfalls der Verraͤ-therey beſchuldigt worden, und von der Unſchuld des Abelles uͤberzeugt war, bewies esmit ſo unumſtoßlichen Gruͤnden, daß Avelles in der ganzen Sache unſchuldig ware;daß der Koͤnig davon uͤberzeugt wurde, den Kuͤnſtler wieder zu Gnaden aufnahm, ihmhundert Talente zum Geſchenke, und den bisherigen Hofmaler Antiphilus, ſeinen arg-ſten Feind, zum Sklaven gab.Als Apelles aus dieſer Gefahr befreiet war, dachte er darauf die Begebenheit durchein allegoriſches Gemaͤlde vorzuſtellen. Zu dem Ende malte er einen Koͤnig mit langenOhren wie Midas, der ſeine Hand gegen die ſich ihm naͤhernde Verlaumdung ausſtreck-190% te, als wollte er ſie zu ſich ziehen. Zu beyden Seiten ſtunden zwey Frauensperſonen1 die Unwiſſenheit, und der falſche Argwohn. Die Verlaͤumdung war praͤchtig geklei-10 det, aber aus ihrer Mine blickte Wuth, Rachſucht und Neid; in der linken hielte ſie0 eine brennende Fackel, und mit der rechten zog ſie einen den Himmel mit aufgehabnenHanden um Gerechtigkeit anflehenden Juͤngling mit den Haaren herbey. Sie warvon einem haͤßlichen Mann mit blaſſem eingefallenen Geſichte, der den Neid vor-ſtellte, begleitet; hinter ihr giengen zwey Dienſtmaͤgde, die Liſt und der Betrug,wel-