Platte J.
70 Nap. 1. Von den fuͤnf italiaͤniſchen Malern,
Zeichnung. Er fieng an Portraͤts zu malen, welches damals was neues war. SeineArbeiten ſahen nicht ſo ſteif und hart aus, als ſeiner Meiſter ihre, vielmehr ſchienenſie weit lieblicher und beſſer vertrieben. Er pflegte auf den Gemaͤlden ſeinen Figurendie Worte aus dem Munde heraus zu ſchreiben, damit man leichter ſeinen Zweck erra—then ſollte. Man ſindet in Florenz viele Hiſtorien von ihm auf Holz mik Eyer undLeimfarben, oder auf naſſem Kalk. Man muß ſich billig wundern, wie dieſer Meiſterbey der Unwiſſenheit damaliger Zeit, es ſo weit gebracht hat. Wenn ihm ſeine Arbeitnicht gut genug dunkte, verdarb er ſie ſelbſt Er war zugleich ein guter Baumeiſter/und ſtarb Anno 1300. im ſechzigſten Jahr ſeines Alters, man ſetzte ihm folgendeGrabſchrift:
Credidit vt Cimabos picturae caſtra tenere,
Sic tenuit: Verum nunc tenet aſtra poli.
Eines ſeiner Bilder wurde mit einer groſſen Proceßion in die Marienkirche gebracht.Haͤtte ſein Schuͤler Giotto ihn nicht ſo ſehr uͤbertroffen, ſo wuͤrde Cimabue weit be—ruͤhmter geweſen ſeyn. Er verdient aber doch allemal, als der Wiederherſteller derKunſt, viele Achtung. Der alte Dichter Dante gedenkt des Eimabue in ſeinem Ge-dicht vom Fegefeuer.
2. Andreas Taffi.
Taffi that ſich zu einer Zeit mit dem Cimabue, aber in moſaiſcher Arbeit hervor.Er ſahe ſolche Arbeit von einem Griechen Apollonius zu Venedig in der Marcuskirche,er machte ſich mit ihm bekannt, und bewog ihn, daß ſie miteinander nach Florenz gien—gen. Daſelbſt unterrichtete Apollonius den Taffi, wie er die Glasguͤſſe brennen, unddie Kuͤtte, worinn die Stifte befeſtiget werden, zubereiten muſte. Inzwiſchen halfendieſe Umſtaͤnde dem Taffi, und weil man damals noch nicht Kenntniß genug von derZeichenkunſt hatte, ſo kamen ihre Arbeiten in groſſen Ruf. Gaddi und Giotto wurdendadurch zur Nachahmung gereitzt, und brachten es viel weiter. Er ſtarb Anno 1294.im ein und achtzigſten Jahr.
3. Gaddo Gaddi.
Gaddo Gaddi brachte es durch den Umgang mit Cimabue weit in der Zeichnung.Er kam in einen ſolchen Ruf, daß er Anno 1308. nach Rom geruffen wurde, wo er vie-le moſaiſche Werke verfertigte, die alles was man bisher in Italien geſehen, weituͤbertrafen. Seine meiſten Arbeiten machte er hin und wieder in Toſcana, einige Pro—ben ſind in der grosherzoglichen Gallerie zu Florenz anzutreffen. Er zeichnete nach derdamaligen griechiſchen Manier, und uͤbertraf vorgemeldten Taffi. Rachher begab erſich nach Florenz wo er Anno 1312. ſein Leben im drey und ſiebenzigſten Jahre beſchloß.Seine Malereyen machen ihm gleichfalls Ehre. Bey ſeinen moſaiſchen Arbeiten brauch—te er gefaͤrbte Eierſchaalen, die er mit unglaublicher Gedult und Arbeit anzubringenwußte, damit die Schattirung ſich deſto beſſer ausnehmen ſollte.
4. Margariton.
Unter den alten Malern war Margariton, der ſich durch den Ruhm des jungen Ci—mabue und Giotto zu mehrerm Fleiß aufmuntern ließ. Man giebt ihm auch das Lobeines guten Bildhauers und Baumeiſters. Seine Manier kam mit der damaligen grie-chiſchen uͤberein. Er arbeitete ſehr hurtig, wie er denn in kurzer Zeit eine ganze Kir-che zu Arezzo mit hiſtoriſchen Stuͤcken bemalte. Pabſt Urban der Vierte hielte ſehrviel auf ihn. Er lebte hauptſaͤchlich zu Arezzo ſeiner Vaterſtadt, und verfertigte da-ſelbſt dem Pabſt Gregorius den Zehnten ein marmornes Grabmal. Er uͤberzog zuer
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