88 Rap. 6. Von P. Coſimo, Giulian und Ant. di St. Gallo, Puligo-35. Andrea da Fieſole.
Platte l. Andrea di Piero di Marco Ferrucci mit dem Zunahmen da Fieſole, lernte ben
Platte I
Ferrucci die Bildhauerkunſt. Er machte anfangs nur Laubwerk, gieng aber hernachimmer weiter Man ſieht es ſeiner Arbeit an, daß er nicht nach Regeln verfahren, ſon-dern blos der Uebung und ſeinem Genie gefolget: haͤtte er die Zeichnung verſtandel,ſo waͤre er einer der groͤßten Kuͤnſtler geworden. Zu Imola machte er in der Capelleder unſchuldigen Kinder viele Sachen. Er arbeitete zu Florenz, Piſtoja, und wurdenach Neapel beruffen, weil Settignano, der koͤnigliche Baumeiſter, ſo viel Ruͤhmensvon der Kapelle zu Imola gehoͤrt hatte. Daſelbſt arbeitete er viel im Caſtell St. Maltino. Die neapolitaniſche Luft bekam ihm aber nicht wohl, deswegen begab er ſtnach gedachten Baumeiſters Tode wieder ins Florentiniſche, und brachte die Tauf Ka-pelle zu St. Giacomo in Piſtoja zu Stande. Darauf trug der Cardinal Julius Medices ihm die Statue eines der zwoͤlf Apoſtel auf, weil die andern eilf ſchon von dengroͤßten Bildhauern damaliger Zeit, als dem Bandinelli, Michel Angelo und andernzu Stande gebracht worden. Sie waren insgeſamt fuͤr die Kirche Maria Maggiore in Flo-renz beſtimmt, in welcher Kirche unſer Kuͤnſtler hernach noch verſchiedene Denkmale ſei-nes Meiſſels, als unter andern den Kopf des Marſilius Ficinus, uͤber der Thuͤre detDonmherrn ſtiftete. In ſeinem hohen Alter uͤbernahm er ein Grabmal von einem audem Hauſe Strozzi, mußte aber das meiſte durch ſeine Schuͤler, und hauptſaͤchlich durden zunaͤchſt folgenden Coſini verrichten laſſen. Er war ein geſchickter Baumeiſtel/und hatte den Scarpellino zum Schuler, der ſo viele Palläſte in Rom gebauet hal.Er ſtarb 1522. in ſeiner Vaterſtadt Fieſole.
36. Silvio Coſini.Sizvio Coſini von Fieſole, lernte die Bildhauerkunſt bey dem vorigen Meiſter An-dreas Ferrucci; und brachte es in Verfertigung der Grotesken, und Zierathen ſehr weit,
Michel Angelo ſchaͤtzte ihn deswegen ungemein, und brauchte ihn zu dergleichen Arbeiten. Er hielte ſich bald zu Piſa, bald zu Carrara, Meyland, und andern Orten auſ-
Zuletzt ließ er ſich in Piſa nieder, und begab ſich in die Geſellſcha erzi-gen Bruͤder, deren Amt es iſt, die Miſſethaͤter zum Tode zu fibre 5 in beMan erzaͤhlt er habe einen derſelben heimlich wieder ausgegraben, ihn mit Fleiß zer“gliedert, und alle Theile genau abgezeichnet. Wiewohl andre behaupten, es ſey aus ei-ner Art von Aberglauben geſchehen, um dem Todten die Haut abzuziehen, und ſolchezu tragen.
In Genua machte er das Bildniß des Fuͤrſten Doria mit vielen Zierathen. Etlebte um das Jahr 1838. Er hatte viel Verſtand, und war fleißig: vernachlaͤßigleaber ſein Hauptwerk die Bildhauerkunſt dadurch, daß er ſich auf andre Dinge als diMuſick und dergleichen legte. b
37. Giovanni Bellini.f Dieſer Giovanni Bellini, und ſein Bruder Gentilis legten beyde den Grund zurMalerkunſt bey ihrem Vater Jacob in Venedig. Giovanni malte anfangs mit iſer Farben, ſahe aber vom Antonello unter dem Schein ſich von ihm malen zu laſſel,die Kunſt mit Oelfarben zu arbeiten, und bediente ſich derſelben nachgehends, und wa,mit einer ſo lieblichen Manier, und gutem Colorit, daß er einer der groͤſten damaligenMeiſter ward, wenn ſeine Zeichnung gleich nicht die richtigſte war. Seine beſten sbeiten ſind in Venedig anzutreffen, wiewohl man auch hin und wieder in Cabinetteneinige Stuͤcke von ſeiner Hand ſiehet. Seine