198 Kap. 23. Von den beruͤhmteſten Kupferſtechern der Italiener
Venus, welche den Liebesgott umarmet; Gott der Vater, welcher dieNachkommenſchaft Abrahams ſeegnet; Calliope mit einem muſikaliſchen Inſtrumentein der Hand; die Klugheit und Gerechtigkeit, der Parnaß, worauf Apoll und diMuſen ſitzen, auf einem kleinen Blatt. Raphael hat es in einem der vatikaniſchen Zim-mer, wiewohl mit einiger Veraͤnderung ausgefuhrt, wie bereits oben erwehnt wor en.Ferner Aeneas, welcher den Anchiſes traͤgt. Raphael fuͤhrte die Figuren groß in dempaͤbſtlichen Pallaſt aus; ſeine eigenhaͤndige Skizze davon beſaß Sandrart ehemalsDie Galathee welche von Delphinen gezogen wird, von Raphael in ſeiner erſten anier im Pallaſt Farneſe gemalt.
In der Folge ſtach er weiter nach dieſem groſſen Meiſter: den Apoll mit derLeyer; den Gott des Friedens, welchem die Liebe einen Oelzweig darbietet; drey theo-logiſche und vier ſittliche Tugenden, von gleicher Groͤſſe; Chriſtus mit den zwölf Apo-ſteln; das Gemaͤlde von der Maria nach dem Altarblatte der Kirche Ara-Coeli inRomz das von der Maria, dem heiligen Hieronymus, dem Engel Raphael und dem To-bias, aus der Kirche des heiligen Dominicus in Neapel; auf einem kleinen Blatt Ma-ria, welche auf einem niedrigen Stuhle ſitzt, und das halb entkleidete Kind JEſu um!armet, und andre Blaͤtter mehr, die Raphael an verſchiednen Orten gemalt hat.Ferner Johannes der Taͤufer, welcher in der Wuͤſten am Tiſche ſitzt. Raphael zeich-nete auch viele Kartons, nach welchen Tapeten fuͤr die paͤbſtliche Kapelle ge-wuͤrkt wurden; die Gegenſtaͤnde waren aus der Geſchichte der Apoſtel, Petrus, Paulus, und Stephanus genommen. Von dieſen brachte Mare⸗Antonio gleichfalls verſchiedne in Kupfer, unter andern, wie der heilige Stephanus dem Volke predigt,und wie er einen Blinden ſehend macht; eine Abnehmung vom Creutz, wobey Mariain Ohnmacht ſinkt; wie auch eine Creutztragung, welche Raphael fuͤr eine Kirche inder Stadt Palermo gemalt hatte. Nach einer Zeichnung von dieſem Meiſter, Mariain den Wolken, nebſt Johannes dem Taͤufer, und der heiligen Catharina, welche aufder Erde kniet: ein groſſes und vortrefliches Blatt. Pabſt Clemens VII. in einemMedaillon mit geſchornem Bart, und im Profil, ferner den Kaiſer Carl V. zweymal 1juͤngern Jahren, wie auch aͤlter, und den damaligen roͤmiſchen Koͤnig Ferdinand.Das Bildniß des beruͤchtigten Petrus Aretinus, wurde damals fuͤr eines der eſtelStuͤcke des Marc⸗Antonio gehalten. Bald darauf ſtach er auch die zwoͤlf roͤmiſchenKaiſer, wovon Raphael Abdruͤcke nach Deutſchland an Albert Duͤrern ſchicktez welchereinen Gefallen an des Mare-Antonio Arbeit hatte, und dafuͤr wieder an Raphaelnviele von ſeinen Kupferſtichen zuruͤckſchickte.
Riarcus Der Ruhm des Marc-Antonio bewog andre junge Kuͤnſtler, ſich auf das Ku-8 pferſtechen zu legen; und ſich in dieſes groſſen Meiſters Schule zu begeben. Dahingehort zum Exempel Marcus von Ravenna, und Silveſter von Ravenna. Jener be-zeichnete ſeine Werke mit M. R. und dieſer mit S. K. Einige halten dieſe beydenKüͤnſtler für einen, aus ihren verſchiednen Zeichen ergiebt ſich aber, daß es zwey 4ſchiedene Manner geweſen. Der Abt Marolles giebt von letzterem 74. Stuͤcke an, werche aber nicht alle nach Raphael, ſondern auch nach Michael Angelo, Andreas Maltegna und andern Meiſtern geſtochen ſind.Aabufin Ein andrer Schüler des Mare⸗Antonio, der ſich ſehr bekannt gemacht hat, iſtCeteine Auguſtin Veneziano, welchem einige den Beynahmen de Muſis geben, er iſt aber unterder Benennung des Venezianers weit bekannter. Er hat ſehr viel nach Rarbaaeear