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212 Rap. I. Von Johann und Subert van Eyk,

ſolche deſto freyer treiben konnte, ſich nicht verheyrathete. Der Vater gab allendreyen den erſten Unterricht im Zeichnen. Hubert unterwies ſeinen juͤngern Bruder;

dieſer aber kam ihm bald zuvor, weil er ein gluͤcklicheres Genie von der Natur erhal-

ten hatte. Johann legte ſich uͤberdieſes auch auf andre Wiſſenſchaften, und vornaͤſn-

lich auf die Chymie, wodurch er auf die Erfindung des Oelfirniſſes geleitet ward.

Bisher bediente man ſich des Leims und Eyweiſſes zu den Farben: Sie lieſſenſich aber durch dieſe Miſchung theils nicht wohl verarbeiten, theils waren ſie ni bdauerhaft. Dieſen Endzweck ſuchte er erſt durch einen Firniß zu erhalten, den euͤber das Bild ſtrich; dadurch wurde zwar das Colorit glaͤnzender, allein der Firtrocknet ſchwer, und er muſte es durch die Waͤrme der Sonne oder des Feuers erezwingen. Als er eines Tages ein Gemälde auf Holz den Sonnenſtralen ausgeſ ellhatte, ſprang es voneinander, und Johann ſahe alle ſeine Muͤhe vereitelt. Er nabdeswegen die erworbnen chymiſchen Kenntniſſe zu Hülfe, und verſuchte ob ein elefirniß vielleicht beſſer trocknen wuͤrde. Wie er zu dem Ende Nuß⸗ und Leindl, nebſtandern Sachen miteinander kochte, und nachgehends die Farben mit dieſem Firnvermiſchte, fand er, daß ſie ſich auf die Art weit beſſer als mit Leim behandeln lieſſen,daß ſie gut trockneten, und daß er nicht brauchte, ſie nach Vollendung des emaldes mit einem Firniß zu uͤberziehen. Durch dieſe neue Erfindung, welche gemeinig-lich um das Jahr 1410. geſetzt wird, kamen die beyden Bruͤder gar bald in einengroſſen Ruf; Sie hielten aber ihre Erfindung ſehr geheim, weil ſie ihnen viel Geldeinbrachte. So wie Eimabue gleichſam der erſte Vater der Malerey neuerer Zeil1 war, ſo kann man Johann als den zweiten Vater anſehen. Den Italienern btder Ruhm der erſten Erfindung: ſie muͤſſen aber den Niederlaͤndern die Ehre fraͤumen, daß ſie, durch den Gebrauch des Oels, der Malerkunſt erſt den Weg zur

Vollkommenheit gebahnt haben.

Das beruͤhmteſte und eines der aͤlteſten Gemaͤlde dieſer beyden Bruͤder, iſt inder Johannis Kirche zu Gent befindlich. Man ſagt Hubert habe es angefangenund Johann nach deſſen 1426. erfolgten Tode vollendet. Philipp der Gule, Herzo

I von Burgund und Graf von Flandern, ließ es verfertigen. Das Gemaͤlde lbſtſtellt aus der Offenbarung Johannis vor, wie die Aelteſten das Lamm anbeten.. den Wolken krönt GOtt der Vater die Maria. Man muß uͤber die fleißige AusfN rung, und die Menge der Figuren, deren man 330. zehlt, erſtaunen. Das Werk!gemeiniglich nach alter Art verſchloſſen, und wird nur an hohen Feſten geoͤfnet. Le,N beyden Thuͤrfluͤgel, welche es bedecken, ſind von den naͤmlichen Meiſtern in und 51 wendig vermalt, und darauf Adam und Eva, die Geſchichte der heiligen dcilidl„ und unter andern auch die Bildniſſe dieſer beyden Bruͤder zu ſehen. Bey einer ſolchel

ö Menge von Geſichtern bemerkt man gleichwol keine Einfoͤrmigkeit; in den Koͤpfen hen

9 ſchet ein guter Ausdruck, und in den Figuren, wenn man die Bekleidung im Duͤreriſ 5

1 Geſchmack ausnimmt, wohlgezeichnete Stellungen. Die Landſchaft verdienet v 155Lob, die Baume und Kraͤuter ſind mit unglaublichem Fleiß nach der Natur e

beitet. Mit einem Worte, das ganze iſt als ein Wunder damaliger Zeit anzuſehen.

Konig Philipp l. in Spanien, ließ es durch Michael Corcie copiren, und zalke 5 enGulden dafuͤk. Man erzehlt, daß an dem Mantel der Maria allein fuͤr 32. a

Ultramarin verbraucht worden.

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ach Endigung dieſes muͤhſamen Gemäldes ließ Johann ſich zu Bruͤgge edcwelches damals wegen der weitlaͤuftigen Handlung die reichſte Stadt in Flandern 10Er erhielt ſoviel Beſtellungen, daß er nicht im Stande war, alle Viebbaben gen