338 Kap. 21. Von Carl von Mander,
bey blieb, ſondern vermuthlich mehrern Gewinſts halben das Portraͤtmalen wähte. Nach andern Nachrichten war er nur ſechzehn Jahre in Rom, darauf ſey er naBruͤſſel zuruͤckgekehret, und habe dort Bildniſſe und Geſchichte gemalt.
236. Gerhard Douw.
Wer ſollte glauben in dieſem vortreflichen Kuͤnſtler einen Schuͤler des Rembrands zu finden? Die grob tockirte Manier des Meiſters verwandelte der Schuler g.eine ſanfte Behandlung, und angenehme Vertreibung der Farben. Anſtakt des kk,tigen hurtigen Pinſels von jenem ſieht man den groͤßten Fleiß in Kleinigkeiten, und bmuͤhſamſte Bearbeitung der geringſten Theile. Was Rembrand im Groſſen udurch wenige Pinſelſtriche ausdrückt, das erhaͤlt Douw im Kleinen. Man muß abſtaunen, daß es moͤglich iſt, mit Oelfarben die kleinen Gemaͤlde mit ſolcher Feinigkenauszufuͤhren, und gleichwol Licht und Schatten, Kolorit, Zeichnung, mit einem 1te alles, worauf der Maler acht zu geben hat, nicht nur zu beobachten, ſondern 5ſolchem Grade der Vollkommenheit auszudrucken.
Gerhard Douw wurde zu Leyden im Jahr 1613. gebohren, und zeigte in denerſten Jahren gleich eine ſolche Begierde zum Zeichnen, daß der Vater ihn ei 55dem Kupferſtecher Bartholomaͤus Dolendo, und darauf zu einem Glasmaler ele.Couwhorn ſchickte, bey dem er es bald dahin brachte, daß er den Vater, der ſein t
Handwerks ein Glaſer war, huͤlfliche Hand leiſten konnte. Allein wegen der 19
dem Malen der hohen Kirchenfenſter verknuͤpften Gefahr, zog der junge Degater0
Auf-gar
Oelmalerey vor, und begab ſich im Jahr 1628. mit Genehmhaltung ſeinesin die Schule des damals in groſſem Rufe ſtehenden Rembrands. Unter deſſenſicht, jedoch wie gedacht ohne deſſen Manier anzunehmen, brachte er es in einJahren ſo weit, daß ihn alle Kenner wegen der fleiſſigen Manier bewunderten.zeichnete zierlicher als ſein Meiſter, und waͤhlte nicht ſolche niedrige Gegenſtaͤnde u-heßliche Geſichter und Stellungen. Er bemuͤhte ſich zwar der Natur genau nachz eahmen, aber mit beſſerer Wahl als Rembrand. Seine Figuren ſind hoͤchſtenSpanne lang, aber mit einer bewundernswuͤrdigen Gedult ausgefuͤhrt.
Di.eſe Geduld iſt bey dem Douw deſto hoͤher zu ſchaͤtzen, weil man nicheängſtliches an ihm bemerkt; Ein Fehler der den meiſten feinen Malern eigen iſt.ihm hatte nie ein Kuͤnſtler ſo zart und zugleich mit ſo gutem Geſchmack gearbeibet,ſeine Nachfolger haben eben ſo wenig den Grad der Kunſt erreicht, und dieſe benden Sc,
ſo meiſterhaft zu verbinden gewußt. Ein Beweis ſeiner Geduld iſt folgender:& 1
drart und Peter von Laar beſuchten ihn einmal, und bewunderten den Fleiß in ſeinWerken: unter andern bemerkten ſie einen ſchoͤn gemalten Beſemſtiel, der ohnge aheines Nagels am Finger lang war, und dem Doum, ſeinem eignen Geſtaͤndniſſe nasdrey Tage Zeit gekoſtet hatte. Er verkaufte die kleinen Stuͤcke, nach den Stunden die erdaruͤber zugebracht. Die Liebhaber bezahlten ihm ſolche zu 600. bis 1000. Gulden.Die Stunden wurden aufgeſchrieben, und zu ein Pfund Flaͤmiſch gerechnet.
Zu dieſer feinen Malerey war die Reinlichkeit eine nothwendige Be utſamkeilEr rieb die Farben auf Glas, machte die Pinſel ſelbſt, 9958 ſeine Werkſtele feiaus, und gieng allemal ganz leiſe, um nicht durch die Bewegung zu viel Staub zu 5regen. Man kann ſeine Werke ohne Vergroͤſſerungsglas kaum beurtheilen. 1grif ſeine Augen durch dieſe Arbeit dergeſtalt an, daß er bereits im 30. Jahre eilBrille gebrauchen muſte. Dieſer Kuͤnſtler malte auch Bildniſſe, aber die von 5ſelbſt erfundenen Stuͤcke haben einen groſſen Vorzug. Er ſchreckte die Leuke 0durch ſeine Langſamkeit ab, und machte ſie durch das lange Sizen verdruͤßlich, 0
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