346 Rap. 22. Von Rembrand von Kayn,
mit alten zerriſſenen und aus der Mode gekommenen Kleidern angefuͤllten Schrank;nannte er ſeine Antiken, und malte die Gewaͤnder darnach. Van Dyck beſuchte dRembrand einmal in ſeiner Werkſtelle, ohne ſich zu erkennen zu geben, und lobte ſeintArbeit; wie dieſer aber gar zu groß darauf that, daß er es ſo weit gebracht haͤtte ohn.Italien beſucht zu haben, gab jener zur Antwort: Man ſaͤhe es der Arbeit ohne dieſeVerſicherung an. Rembrand nahm dieſen Vorwurf ſehr uͤbel, und fragte: wer ſichdenn unterſtuͤnde, ihm dieſes unter die Augen zu ſagen? Der Fremde antwortete ganzgelaſſen: Mein Herr ich bin van Dyck zu ihren Dienſten, und empfohl ſich.
Rembrand war von der feinen Ausarbeitung, die man bey vielen Niederlän-dern zu ſehen gewohnt iſt, weit entfernt. Die Farben ſind ſtark aufgetragen;der Naͤhe betrachtet, ſcheinen ſeine Werke grob tockirt, und fallen nicht lieblich ins Au-ge: in der Entfernung thun ſie aber eine ſo kraͤftige Wirkung, dergleichen man. beywenigen Malern findet. Die Figuren heben ſich, und zeigen einen vortreflichen Aut,druck, weswegen die Werke dieſes Meiſters ſo ſehr geſucht und von Kennern geſchaztwerden. Bey dem groſſen Talente zur Malerey iſt es allerdings zu bedauern, daßRembrand, der ein ſo groſſer Meiſter im helldunklen war, die Perſpektiv nicht beſſerverſtand, und auch nie lernen wollte. Er ſuchte ſich dadurch zu helfen, da er 5Hintergruͤnde ſeiner Gemaͤlde ſchwarz und unkenntlich malte. Allein er gebrau 4nen ſolchen elenden Kunſtgrif nicht, und ſeine Arbeiten würden einen unendlich hellWerth haben, ſo bald er die Kenntniß der Perſpektiv mit ſeinen uͤbrigen Fählzkeiten verbunden haͤtte.
Ein andrer Fehler war, daß er ſich nie uͤber die niedrige Natur hob/ bordſchein
allemal ſchlechte, unangenehm ins Auge fallende Gegenſtaͤnde waͤhlte. Es ſcheilhabe das niedrige recht geſucht, und man muͤſſe es dem blinden Ohngefehr zuschreiben,wenn er ja einmal einen gefaͤlligen Kopf gemalt hat. Dazu hatte er vermuthlich ſein besſondern Urſachen. Es iſt leichter ein verzerrtes Geſicht, eine unſchickliche Stellundzu malen, als edle Zuͤge, richtige Umriſſe, und einen ſanften Ausdruck anzubringen,wenn man entweder die Zeichnung nicht recht verſteht, oder das Auge nie an dieEmpfindung des wahren ſchoͤnen und edlen gewohnt hat. Dies war Rembrands FalEr blieb beſtaͤndig bey der Wahl niedriger Gegenſtäͤnde, und hatte nie den ge börige,Fleiß auf die Zeichnung gewandt. Seine Frau, die er vom Dorfe holte/ menicht viel Reizungen haben: gleichwol diente ſie, nebſt ihrer plumpen Magd, ihm untModelle. Hatte er die Zeichnung ſo gut als die Behandlung der Farben verſtandenund ſtatt des niedrigen einen edlen Ausdruck, und ſchöͤne Gegenſtaͤnde in der 10gewahlt, ſo wuͤrde man ihm wenig Meiſter an die Seite ſetzen konnen.
a Rembrand wuſte in ſeine Gemälde die pickanteſten Wirkungen des Lichts ann“bringen, und uͤberhaupt durch das helldunkle den Zuſchauer in Erſtaunen zu ſezel,Die Bildniſſe und halben Figuren ziehen die meiſten Kenner den Converſations⸗ 5cken vor. In alten Koͤpfen, Haaren, und Pelzwerke beſaß er eine beſo 1Kunſt. Wegen dieſer kräftigen, fetten und markigten Manier, und der groſſen Hentung, ſchienen die Arbeiten der anderen damals lebenden Maler, wenn man ie gegeRembrands Werke hielte, ſchwach, blaß, und von geringer Wirkung.
Anfangs gab Rembrand ſich weit mehr Muͤhe und arbeitete ſeine Sachen bſiger aus: wie ſein Ruf aber einmal befeſtiget war, verleitete ihn die Gewinnſi iviel hurtiger zu arbeiten, und ſich zu vernachlaͤſſigen. Daher ſuchte er die Haͤndeſparen, verſteckte ſie entweder unter dem Gewande, oder im Schatten, o. geſie auch nur ganz leicht aus. Eine Folge ſeines Geizes war, daß er ſich wih
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