und ein und zwanzig andern Nuͤnſtlern. 351
Als Gelee eine geraume Zeit mit groͤßter Emſigkeit gearbeitet hatte, wollte erſich eine Abwechſelung machen. Er begab ſich zu dem Ende nach Venedig, und ver-eſſerte ſein Kolorit„ nachdem er die herrlichen Tizianiſchen Landſchaften geſehen hatte.Bon dort aus beſuchte er Teutſchland, und ſein Vaterland. Er arbeitete ein Jahr langr den Herzog von Lothringen, weil er aber nicht viel dabey verdiente, und uͤber-haupt die Lebensart in Italien vorzog: ſo gieng er uͤber Lyon und Marſeilles zumdweitenmal wieder dahin, und verließ es nachgehends nicht wieder. Unterwegs fand erKom Liebhaber, die ihm ſeine Arbeit gut bezalten. Auf ſolche Art gelangte er nach
Gelee hatte kaum das dreißigſte Jahr erreicht, gleichwol trug jedermann Ach-tung für ſeine Kunſt, und freuete ſich, den groſſen Landſchafter aufs neue in Rom zuehen. Alle Prinzen, Kardinaͤle, und Vornehme in Rom wuͤnſchten etwas von ſeinerHand zu beſtzen. Wenn er gleich einen hohen Werth auf ſeine Arbeit ſezte, ſo warer dem ungeachtet nicht im Stande, alle Liebhaber zu befriedigen. Die Paͤbſte Ur-an VIII. und Clemens V. ſchaͤzten ihn perſoͤnlich hoch. Weil Gelee ſo erſtaunlichdiel Landſchaften malte, und ſich uͤber dieſes einige Betruͤger fanden, die ſeine Ge—
alde, wegen des hohen Preiſes, den man dafuͤr bezahlte, kopirten, ſo gerieth er aufen Einfall, von einer jeden Landſchaft, die er verfertigte, eine Zeichnung zu neh-men, und in ein Buch zu legen, welches er das Buch der Warheit nannte. Dadurchermied er nicht nur die Wiederholungen, ſondern beurtheilte auch ſeine eigne Arbeitarnach, wenn ſie ihm wiedergebracht wurde, um zu entſcheiden, ob ſie original oderopirt waͤre. Dieſes Buch, welches ein wahrer Schatz von allen Gemaͤlden dieſeseiſters genennt zu werden verdienet, befindet ſich, nach dem Berichte des Dargens-in. im Leben unſers Kuͤnſtlers, in den Haͤnden des Herzogs von Devonshire in Eng-
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Gelee war ein ſehr aufrichtiger rechtſchaffener Mann, der keine Ceremonien lieb-te, und den Groſſen ſo begegnete, wie es ſich fuͤr einen Mann von ſeinen Verdienſtenchickte. Er diente jedermann gerne, und inſonderheit jungen Künſtlern, mit ſeinemguten Rathe, wenn ſie ſolchen verlangten. Uebrigens lebte er ſehr eingezogen, undſuchte in der Ausübung der Kunſt ſein einziges Vergnügen. Er freuete ſich, wenn erjemand fand, mit dem er ſich davon unterhalten konnte. Seine Gemuͤthsergoͤtzung zur5 bwechſe elung beſtund darinne, daß er im elde ſpazieren gieng und, wie wir bereits erwehnthaben, auf die Veraͤnderung der Luft und andre merkwuͤrdige Gegenſtaͤnde acht gab,um ſie abzuzeichnen, und benoͤthigten Falls davon in ſeinen Gemaͤlden Gebrauch zu ma-en. Bey dieſer Gelegenheit ſtiftete er mit Sandrart eine genaue Bekanntſchaft.Denn da ſelbiger eben ſo emſig im Zeichnen nach der Natur war, ſo leiſteten ſie einan-er fleiſſig Geſellſchaft. Sandrartverfertigte mehrentheils groſſe Zeichnungen von Fel-en, Ruinen, Waſſerfaͤllen und dergleichen, Gelee hingegen wählte ſich die Gegendenit niedrigem Horizonte, die dem Auge eine weite Ausſicht darſtellten. Sie ver-tauschten ihre Landſchaften gegen einander, und gaben ſich haufige Beweiſe einer auf-richtigen Freundſchaft.
Dieſer Kuͤnſtler erwarb ſich durch ſeinen Fleiß, und bey ſeiner eingezogenenſtillen Lebensart, ein anſehnliches Vermoͤgen. Er bezeugte nie Luſt zum heyrathen,eine Empfindungen waren bloß auf die ſchoͤne Natur und lebloſen Gegenſtaͤnde einge-hrenkt. Damit er nun von allen Sorgen des Hausweſens befreyet ſeyn moͤgte, undf ſeiner Lieblingskunſt ganz und gar widmen konnte, nahm er einen Vetter zu ſich,der auf alles Acht geben, ſeinen Hausſtand fuͤhren, das Geld in Verwahrung halten,a ſo gar fuͤr ſeine Farben und Pinſel ſorgen muſte. Auf dieſe Art lebten Nibre